64-Jähriger muss nach Missbrauch hinter Gitter

Der arbeitslose und hoch verschuldete Mann hatte bei Boos zwei Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren missbraucht. Warum die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde.

BAD KREUZNACH – Den beiden Mädchen, 11 und 13 Jahre alt, bleibt nichts erspart. Im Gerichtssaal sehen sie ihren Peiniger wieder – und sie müssen bis ins Detail berichten, was der 64-jährige Angeklagte mit ihnen angestellt hat. Per Videokamera sind sie in den Gerichtssaal geschaltet. Wenigstens die peinliche Aussage im Angesicht des Täters bleibt ihnen erspart. Ein Mädchen sagt: „Es ist mir unangenehm, darüber zu sprechen.“ Richterin Laura Hebling versucht, Brücken zu schlagen, und fragt nach den Hobbys der Mädchen: „Showtanz habe ich auch einmal gemacht.“ Doch für die Kinder ist dieser Prozess eine verstörende Tortur.

Der arbeitslose und nach einer Insolvenz hoch verschuldete Mann ist des sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Er verbrachte den vergangenen Sommer auf dem Wochenendgrundstück seiner getrennt von ihm lebenden Frau – und hatte offenbar ziemliche Langeweile. Da lockerten die Kinder, die mit den Fahrrädern von Waldböckelheim herunter kamen, den Tagesablauf etwas auf. Die Kinder fanden die beiden Hunde des Angeklagten interessant – und so nahm der alte Mann Kontakt zu den Mädchen auf.

Er lud sie im Juni/Juli 2020 mehrfach zu Kanufahrten ein. Ziel war eine Insel in der Nahe, wo die Kinder auch schwimmen konnten. Danach hat er die Kinder nicht nur an intimeren Körperstellen abgetrocknet, sondern auch seine Badehose ausgezogen, um den Mädchen das Piercing an seinem Penis zu zeigen. Er nahm das Piercing sogar heraus. Er fragte die Kinder, ob sie wüssten, was es bedeute, Jungfrau zu sein, und forderte sie auf, mit ihren Brustwarzen zu spielen. Dabei machte der Angeklagte Fotos und sagte dem Kind: „Du wirst mal richtig schöne Brüste bekommen.“ Zudem forderte er die Kinder auf, mit ihm „Twister“ zu spielen: Wer verloren hat, musste ein Kleidungsstück ausziehen. Einem Mädchen sagte er, es habe einen hübschen Po: „Der schmeckt wie eine Stachelbeere, wenn man Spaß mit einem Mann hat.“

Ein Mädchen sagte aus: „Er wollte uns aufklären über Sexualkunde.“ Der Mann habe ihnen sogar über sein Handy geschrieben, wann er wieder Zeit habe. Er forderte die Kinder auf, im Internet Pornos zu schauen. Zudem stellte die Polizei bei ihm kinder- und jugendpornografische Dateien sicher. Eine der Mütter sagte im Prozess als Zeugin, sie habe gar nicht gewusst, dass die Kinder zu dem Mann gehen würden. Sie habe das alles erst später erfahren.

Zur Sache ließ der Angeklagten seinen Verteidiger Andreas Kaiser sprechen: Er räume alle Vorwürfe ein. Bei diesen Worten brach der Angeklagte in Tränen aus. Der Verteidiger erklärte, der Mann bedauere sein Handeln. Sein Verhalten gegenüber den Kindern sei „unangemessen“ gewesen. Dazu Kaiser: „Er kann sich das selbst nicht richtig erklären. Er meint, früher sei man freier mit dem Thema Sexualität umgegangen. Er sei immer ein FKK-Anhänger gewesen.“

Das Urteil des Schöffengerichts war hart. Staatsanwalt Claudius Persdorf hatte ein Jahr und vier Monate Haft gefordert, ausgesetzt zur Bewährung. Auch Verteidiger Kaiser sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Doch damit wäre der Angeklagte nach Auffassung des Gerichts zu leicht davongekommen. Richterin Hebling verkündete als angemessene Strafe: ein Jahr und acht Monate Haft, ohne Bewährung. Der Mann muss also hinter Gitter, kann aber noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels05.07.2021
LandDeutschland
StadtBoos
Alter des Täters64
Verurteilt1 Jahr(e) 8 Monat(e)
BewährungNein
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen11,13
Anzahl der Betroffenen2
Art der TatMissbrauch
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)X
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