KINDESMISSBRAUCHLaufendes Ermittlungsverfahren

Alle haben geschwiegen: Camille Kouchner macht Inzest in ihrer Familie publik

n Frankreich erregt das Buch “La familia grande” von Camille Kouchner viel Aufsehen. Die Rechtsprofessorin Camille Kouchner (45) – Tochter des ehemaligen Außenministers Bernard Kouchner (81) – schildert darin, dass ihr Stiefvater, der Politologe Olivier Duhamel (70), ihren Zwillingsbruder in den 80er Jahren sexuell missbraucht hat.

Der Bruder, der im Buch “Victor” genannt wird, soll als 14-Jähriger vom Stiefvater missbraucht worden sein. Die drei Geschwister hätten den Stiefvater bewundert. “Victor” hat den Missbrauch der Schwester, Jahre später der Mutter gestanden, auch Freunde der Familie, die zur linken Elite gehörte, sollen davon gewusst haben. Doch keiner habe das Schweigen gebrochen.

Das Buch erscheint am 7. Januar 2021, aber nach einem Bericht in Le Monde hat die französische Justiz Ermittllungen gegen Olivier Duhamel wegen mutmaßlicher Vergewaltigung eines Minderjährigen unter seiner Autorität eingeleitet.

Der Rechtsexperte und Vorsitzende einer Stiftung der renommierten Uni Sciences Po in Paris hat sein Ämter aufgegeben. Die TV-Sender, bei denen Olivier Duhamel als Experte auftrat, beschäftigen ihn nicht mehr – und er hat sein Twitter-Konto gelöscht. Auf diesem hatte der Stiefvater zuvor von “persönlichen Angriffen” gesprochen.

Gegenüber Le Monde hat “Victor” bestätigt, dass stimmt, was seine Schwester Camille Kouchner in dem Buch schreibt.

Camille Kouchner macht sich offenbar Vorwürfe, weil sie als 14-Jährige ihren Stiefvater bewundert hat. Im Buch sieht sie sich als “Komplizin des Inzest”.

Die Mutter, Evelyne Pisier, war eine bekannte Feministin und Rechtsexpertin, die in den 60er Jahren auf Kuba eine Beziehung mit Fidel Castro gehabt haben soll. Zur Zeit des Missbrauchs hatte sich die Großmutter das Leben genommen, die Kinder wollten Evelyne Pisier deshalb schonen. Später soll die Mutter – die 2017 verstorben ist – Olivier Duhamel in Schutz genommen haben, weil er bereue, was er getan habe. Es sei ja “nur Fellation” gewesen, soll Evelyne Pisier gesagt haben.

Der Vater, Bernard Kouchner – Mitbegründer von Medecins sans Frontières MSF – ist vor mehr als 30 Jahren offenbar zu beschäftigt gewesen, um sich um seine drei Kinder aus erster Ehe zu kümmern. Jetzt lobte der inzwischen 81-Jährige in einer über einen Anwalt veröffentlichten Erklärung den Mut seiner Tochter Camille.

Die Vertreter von Opfervereinigungen beklagen vor allem, dass offenbar mehrere Erwachsene seit Jahren von dem Missbrauch gewusst, aber geschwiegen haben. In den französischen Medien ist von Omer­tà die Rede – das ist die Schweigepflicht in den Familien der Mafia.

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