EuropeKindesmissbrauchLaufendes Gerichtsverfahren

Beim Hüten das Kleinkind der Nachbarin sexuell missbraucht.

Ein 49-jähriger Künstler hat ein dreieinhalbjähriges Mädchen geschändet und missbraucht. Vor Gericht wehrt er sich gegen die Bezeichnung, pädophil oder pädosexuell zu sein. «Umso schlimmer», erklärt der vorsitzende Richter.

Die Mutter von drei kleinen Kindern ist alleinerziehend und Sozialhilfeempfängerin. Zu ihrer Entlastung gab sie ihre Kinder dem Lebenspartner der Nachbarin regelmässig zum Hüten. Der 49-jährige IV-Bezüger, der als Künstler tätig ist, missbrauchte ein dreieinhalbjähriges Mädchen mehrfach sexuell und filmte sich dabei. Da es sich beim Täter um einen in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Italiener handelt, muss das Bezirksgericht Zürich unter anderem auch die Frage beantworten, ob es sich bei ihm um einen Härtefall handelt. Es ist ein Landesverweis von 10 Jahren beantragt.

Der Künstler wurde im November 2018 zusammen mit einem Kollegen verhaftet, nachdem er im Güterbahnhof Schaffhausen Bahnwagen besprayt hatte. Bei der Auswertung seines Mobiltelefons wurden Grossaufnahmen gefunden, die zeigten, wie ein Mann die Vagina eines kleinen Mädchens spreizte und befingerte. Es stellte sich heraus, dass dies der Beschuldigte selber war. Videos zeigen auch, wie der Mann die Vagina und den Anus des Mädchens mit seinem Penis und seinen Fingern berührt. Der IV-Rentner sass 146 Tage in Untersuchungshaft.

Als Ursache Kiffen vorgeschoben

Seine Taten gibt der Mann grossmehrheitlich zu. Höchst umstritten ist vor Gericht aber, ob er auch eingedrungen ist. Das streitet er ab. «Ich ekle mich selber vor mir», sagt er, «für mich ist das Ganze unverständlich und nicht nachvollziehbar.».Weil er sich derart schäme, wolle er auch keinen weiteren Angaben dazu im Prozess machen. Er verneint jedoch die Frage, ob er pädophile oder pädosexuelle Neigungen habe, mehrfach. Als Ursache für den Missbrauch gibt er an, dass er jahrelang massiv gekifft habe. Er habe 10 bis 15 Joints am Tag geraucht. «Im klaren Zustand wäre es nicht passiert», beteuert er. Schuld sei der Cannabiskonsum. Deshalb sei er auch seit zwei Jahren abstinent.

Mit auf der Anklagebank sitzt die 42-jährige ehemalige Lebenspartnerin des Künstlers, die sich nach Verbüssung von 34 Tagen Untersuchungshaft von ihm getrennt hatte. Der Beschuldigte hatte ihr die Videoaufnahmen der Missbräuche geschickt. Sie ist selber Mutter von zwei Kindern. Gemäss Vorhalt des Gerichtsvorsitzenden kommentierte sie die Videos mit Texten wie «Ha ha ha, geilo häsch nochli Öl anetaa?». Heute findet sie ihre Reaktion «eine Katastrophe». Sie sei überfordert gewesen und verurteile es zutiefst. Ihre Verteidigerin erklärt, die Frau sei dem Beschuldigten «hörig» gewesen.

Die Frau ist auch noch wegen mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses angeklagt. Sie arbeitete auf einem Betreibungsamt, verlor aber ihre Stelle aufgrund der Untersuchung. Laut Anklage sandte sie geheime Einwohnerdaten mit ihrem Mobiltelefon an Drittpersonen weiter. Vor Gericht erklärt sie, das habe sie zwar gemacht, dies sei aber aus dienstlichem Grund erfolgt. Die Empfängerinnen seien Arbeitskolleginnen von ihr gewesen, die ja selber Zugang zu den Daten gehabt hätten. Die Kolleginnen seien nicht anwesend gewesen, und sie sei von diesen aufgefordert worden. Sie fühle sich in diesem Punkt nicht schuldig. Das sei legal gewesen.

Der Gerichtsvorsitzende zitiert aus den Whatsapp-Chats und erklärt, er könne nichts Dienstliches erkennen. Die Frau habe Fotos von drei Männern aus dem System kopiert und kommentiert. Es sehe für ihn eher so aus, als ob die Frauen die Männer abgecheckt und taxiert hätten. So sei von «alten Säcken» die Rede oder davon, dass der eine Mann «nicht so der Hammer» sei . – Die Frau ist auch noch der Gehilfenschaft zu Sachbeschädigung angeklagt, weil sie die beiden Sprayer mit ihrem Auto nach Schaffhausen chauffiert hatte. Sie sei eben hilfsbereit und habe nicht gewusst, was die beiden Männer dort genau gewollt hätten, erklärt sie vor Gericht.

«Abscheulich und unverzeihlich»

Der Staatsanwalt beantragt eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Schändung, mehrfacher harter Pornografie, Sachbeschädigung und Drogendelikten für den Italiener. Was der Beschuldigte getan habe, sei einfach nur abscheulich und unverzeihlich. «Wer hätte gedacht, dass sich hinter der Fassade von Friede, Freude, Eierkuchen eine solch abgründige Welt auftun würde», fragt er einmal. Zudem will der Ankläger einen obligatorischen Landesverweis von 10 Jahren. Es sei unmöglich, den Beschuldigten als einen Härtefall anzusehen. Für die Frau verlangt er 14 Monate Freiheitsstrafe bedingt.

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