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Berlin Hellersdorf: Vier Jahre Haft nach Missbrauch eines Zehnjährigen

Der Junge aus Hellersdorf lernte den 25 Jahre alten Täter im Internet-Forum kennen. Nun wurde vor dem Landgericht Berlin verhandelt.

Lena Witte

Berlin. Vor dem Landgericht Berlin ist ein 25 Jahre alter Mann aus Bielefeld am Donnerstag wegen schweren Missbrauchs und sexueller Nötigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Täter und das zehnjährige Opfer aus Hellersdorf hatten sich in einem Internetforum kennengelernt. Über das Playstationspiel Grand Theft Auto kamen sie im Netz zusammen. 

Dem Angeklagten Marvin H. gelang es, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen – der zehnjährige Junge glaubte, in dem unbekannten Mann einen Freund gefunden zu haben. Als der 25-Jährige im Juli 2020 Geburtstag hatte, besuchte er den Jungen aus Hellersdorf, um mit ihm gemeinsam zu feiern. Die Eltern willigten ein, der Vater holte den Unbekannten sogar vom Bahnhof ab. Im Altersunterschied sahen die Eltern zu diesem Zeitpunkt kein Problem. 

Auch eine Polizeibeamtin, die im Fall ermittelte und vor Gericht aussagte, glaubt nicht, dass die Eltern vorab etwas von einem geplanten Missbrauch ahnten. Der Junge hatte sein eigenes Kinderzimmer, in dem auch ein ausklappbares Bett für Besucher stand. In diesem Bett durfte Marvin H. drei Nächte lang übernachten. Bis spät in den Abend hinein spielten Täter und Opfer gemeinsam Playstation. Irgendwann überprüfte der 25-Jährige, ob die Eltern schlafen, und missbrauchte den Zehnjährigen sexuell. Der Junge machte sofort klar, dass er die sexuellen Handlungen nicht wollte, getraute sich jedoch nicht, sich körperlich zu wehren.

Täter war selbst als Kind missbraucht worden

Eine Gutachterin gab vor Gericht einen Einblick in das Leben des 25 Jahre alten Täters, der sozial isoliert lebt und in seiner Kindheit selbst missbraucht worden war. Er habe eine „ängstlich-vermeidende Persönlichkeit entwickelt“ und leide unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl. Durch Entwicklungsdefizite scheiterte ein Versuch, nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre als Verkaufshelfer zu machen. Freundschaften zu Gleichaltrigen kann er nicht aufbauen – das Playstationspiel stellt seinen ganzen Lebensinhalt dar. 

Ob er den sexuellen Missbrauch von vornherein plante, ist nach Ansicht der Gutachterin schwer einzuschätzen. Eine verminderte Schuldfähigkeit schließt die Psychiaterin jedoch aus. Zwar habe der junge Mann eine relevante Intelligenzminderung, sein IQ liege jedoch noch im Normbereich. 

Marvin H. wurde am Donnerstag zu vier Jahren Haft verurteilt, sein Geständnis und die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist, kamen ihm bei der Urteilsfindung zugute. Der 25-Jährige wirkte am Ende des Prozesses fast erleichtert. Er nahm das Urteil an, wodurch es rechtskräftig wird. Während des Prozesses hatte er angegeben, sich eine Strafe zu wünschen, da er sein eigenes Verhalten sonst nicht ändern könne.

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