Detmold Lagenser Gesteht Kindesmissbrauch: Familie Berichtet Vor Gericht Vom Leid Ihrer Tochter

Detmold. 90 Minuten haben die Kindheit von Lisa T. (alle Namen geändert) beendet. Das Mädchen wurde am 29. August 2014 an einer Bushaltestelle in Asemissen überfallen und in den Wald verschleppt. Was danach passiert ist, hat sie gestern vor dem Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Dem Mann, der die Tat zugegeben hat, musste sie nicht ins Gesicht schauen. Ihre Eltern haben es getan, und sie haben sehr emotional geschildert, dass in ihrer Familie vieles nie mehr normal sein wird.

Michael P. (40) sitzt auf der Anklagebank, aufschauen kann er nicht. Als die Mutter von Lisa schildert, wie sich ihr Kind gefreut hat, mit dem Bus zur Schule zu fahren und zu den Großen zu gehören, wie unbeschwert sie mit ihren beiden Geschwistern draußen gespielt hat, dass sie durch das Wäldchen an der Asemisser Hauptstraße lief, um ihre Großeltern zu besuchen, bricht sie in Tränen aus.

Geblieben ist davon nichts. Die mittlerweile Zwölfjährige verbringt ihre Zeit nur in ihrem Zimmer, muss zur Schule gebracht und abgeholt werden. „Wenn sie mich nur etwas entfernt sieht, dann rennt sie, blickt sich ständig um. Allein kann sie nicht mehr draußen sein, sie kann nicht zu Kindergeburtstagen gehen, weil sie sich schrecklich fürchtet, nicht im Garten spielen – der hat alles kaputt gemacht“, sagt die 35-Jährige und schaut in Richtung Anklagebank.

Richterin Sabine Diekmann fragt einfühlsam nach, will wissen, ob Lisas Ängste langsam nachlassen und die Mutter glaubt, dass ihre Tochter in ein normales Leben zurückkehren kann. Die Mutter schüttelt den Kopf. „Nein, es hat unsere ganze Familie getroffen, wir haben Angst um unsere Kinder, und es geht ihr immer noch sehr schlecht.“ Sie sei in Therapie könne sich nur selten konzentrieren, weine oft und raste auch auf einmal aus. „Sie kann nichts ertragen, was sie an den Tattag erinnert. Die Frisur darf nicht so sein, die Schulsachen konnte sie nicht mehr anfassen. Sie hat überhaupt keine Kindheit mehr“, sagt die 35-Jährige.

Die Oma des Opfers schildert unter Tränen im Zeugenstand, wie sie ihre Enkelin am Morgen des 29. nach der Tat gesehen hat. „Sie war mit Klebeband verschmiert, hatte keine Schuhe an, war total schmutzig und unter dem Rock und der Jacke war sie nackt.“ Sie habe geweint, davon gesprochen, dass sie vor einem Mann Angst hat, der ihr gedroht habe, „es wird alles noch viel schlimmer als das hier, wenn du redest“. „Wie kann ein Mensch das einem anderen antun?“, fragt sie. Der Angeklagte P. zittert, als die 59-Jährige zusammensackt und nur mit Hilfe ihres Schwiegersohnes den Saal verlassen kann.

Was sie meint, hat Staatsanwältin Helena Werpup in ihrer Anklage zusammengefasst. Sie spricht davon, dass P. das Handy des Mädchens in Asemissen aus dem Schulranzen genommen und Teile der Tat in dem Wald gefilmt hat. Den Hergang gibt P. zu, drei weitere Taten ebenfalls. Eine 18-Jährige hat er in Lemgo überfallen und in ein Gebüsch gezerrt – sein zweijähriger Sohn war dabei und schlief in seinem Kindersitz im Auto. Das wird in den folgenden Terminen verhandelt werden. Allerdings sagt der Lagenser selbst nichts, sondern lässt eine Erklärung durch seinen Anwalt Dr. André Pott verlesen. Es tue ihm schrecklich leid, er könne nicht erklären, warum er das getan habe, er bereue zutiefst, was er den Familien und den Opfern angetan habe. Mit der Erklärung wolle er den Mädchen ersparen, vor Gericht auszusagen.

Es wirkt so, als wolle er selber auch nicht hören, welches Leid er, der verheiratet ist und selbst zwei kleine Kinder hat, verursacht hat. Doch das lässt Richterin Sabine Diekmann so nicht gelten. „Es ist ein Unterschied, ob Sie hier eine Erklärung verlesen lassen oder selbst reden. Wir müssen genau wissen, was sich abgespielt hat und die Zeugen hören.“

Am 21. und 25. April, jeweils um 9 Uhr, wird die Verhandlung im Landgericht in Saal 67 fortgesetzt.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels19-04-2016
LandGermany
StadtDetmold
Alter des Täters40
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen2,12
Anzahl der Betroffenen2
Art der Tat
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