Emmendinger muss fast vier Jahre für sexuellen Missbrauch seiner Tochter in Haft

Emmendingen

Über Jahre hat ein 30-Jähriger aus Emmendingen seine Tochter missbraucht. Vergeblich wandte sich das Kind an ein Familienmitglied, erst eine Schulsozialarbeiterin brachte Ermittlungen in Gang.

Angeklagt war der heute 30-jährige Emmendinger und zweifache Vater, der zwischen Oktober 2013 und Januar 2017 in 15 Fällen seine minderjährige Stieftochter sexuell missbraucht hatte.

Eine Familie mit vielen ProblemenDie Anklage beschreibt desolate Zustände in der Wohnung der Familie. Es scheint, als seien sowohl der angeklagte Stiefvater, aufgrund seiner Geburt unter Sauerstoffmangel zu 50 Prozent schwerbehindert, als auch seine Frau den Anforderungen des Alltags einer Familie mit drei Kindern nicht gewachsen gewesen. Seit zehn Jahren wird der 30-Jährige von einem Betreuer unterstützt. Eigenverantwortlich kann er nur seinen Aufenthaltsort bestimmen und seine finanziellen Angelegenheiten regeln. Er leidet unter Angststörungen, Depressionen, bekommt Medikamente, hatte Aufenthalte im Zentrum für Psychiatrie. Auch seine Frau ist dort mehrfach zur Behandlung gewesen. In den Jahren, in denen er seine Stieftochter missbraucht hat, war er überwiegend arbeitslos. Die Kinder, so die Anklage, bettelten in der Nachbarschaft um Essen.

Das missbrauchte Mädchen und seine jüngere Schwester leben seit Januar 2017 bei Pflegeeltern. Sie wussten damals nicht, wie man sich duscht, die Haare wäscht, die Zähne putzt. Die Zähne der Stieftochter waren so angegriffen, dass ihr einige unter Vollnarkose gezogen werden mussten. Diese sogenannten Verletzungen der Fürsorge- und Erziehungspflicht waren ebenfalls angeklagt. Als sich im Rahmen einer Vereinbarung ankündigte, dass der Angeklagte den schweren sexuellen Missbrauch des Mädchens in 15 Fällen einräumen werde, wurde im Gegenzug die Einstellung der übrigen Anklagepunkte zugesichert.

Geständnis des Angeklagten erspart der Betroffenen die AussageDas Geständnis fiel pauschal und ohne weitere Erläuterungen aus. Fragen der Richter werde ihr Mandant nicht beantworten, so seine beiden Verteidiger. Das Geständnis überprüfte das Gericht anhand der Verlesung von Zeugenaussagen. Die Schöffen mussten über die Mittagspause das Protokoll der 65 Minuten dauernden Videovernehmung des Mädchens beim Ermittlungsrichter lesen. Mit seinem Geständnis hat der Angeklagte nicht nur die Verantwortung für den Missbrauch übernommen, sondern dem heute zwölfjährigen Mädchen auch eine erneute Vernehmung erspart.

Warum sich der Angeklagte innerhalb von vier Jahren immer wieder an dem damals sechs- bis zehnjährigen Mädchen sexuell vergriffen hat, ist auf Grund der Einsilbigkeit seines Geständnisses nicht aufgehellt worden. Bei der Durchsuchung der Wohnung waren keinerlei Hinweise auf kinderpornographische Interessen oder einschlägige Bilddateien gefunden worden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei brachten jedoch zu Tage, dass sowohl Vater als auch Mutter ihre Kinder oft geschlagen haben müssen. Gegen die Mutter läuft deshalb ein Verfahren. Das Jugendamt war aufmerksam geworden, weil die Kinder oft zu spät oder gar nicht in die Kita oder die Schule kamen.

Die Großmutter half dem Kind nichtDas missbrauchte Mädchen hatte sich früh ihrer Großmutter anvertraut. Die glaubte ihr nicht. Als das Mädchen sich 2018 der Sozialarbeiterin an ihrer Schule anvertraute, wurde sie ernst genommen. Die Ermittlungen kamen in Gang. Das Mädchen litt darunter, dass ihm nicht geglaubt wurde und dass ihm seine jüngere Schwester die Schuld gab, mit ihren Aussagen die Familie zerstört zu haben. Eine Psychologin hatte die Aussage der Stieftochter wissenschaftlich untersucht und als glaubwürdig eingestuft: Sie fuße auf Erlebnissen und sei nicht erfunden.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels25.02.2021
LandDeutschland
StadtEmmendingen
Alter des Täters30
BewährungNein
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen6-10
Anzahl der Betroffenen1
Art der TatMissbrauch
Anzahl der Taten15
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