Ex-Priester wegen sexueller Übergriffe auf Kinder verurteilt

Der frühere Priester von Gordola ist vom Strafgericht Locarno wegen sexueller Übergriffe auf Kinder zu sechs Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden. Von der Richterin schwer gerügt wurden die Ermittler, weil sie ein minderjähriges Kind zur Überführung des Täters zu einer verdeckten Operation missbraucht hätten.

26.10.2005, 13.28 Uhr

(ap) Der 63-jährige Mann wurde von der Einzelrichterin des Strafgerichts wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern sowie wegen Verwicklung in sexuelle Handlungen zu sechs Monaten Gefängnis bedingt auf zwei Jahre verurteilt.

Zudem muss er einem 14-jährigen Mädchen 3000 Franken Wiedergutmachung zahlen sowie die Gerichts- und Anwaltskosten von insgesamt 20’000 Franken übernehmen.

Belästigungen über Telefon und SMS

Der frühere Priester hatte das 14-jährige Mädchen, aber auch deren 17-jährigen Bruder und dessen gleichaltrigen Freund mit eindeutigen Telefonaten und SMS zu sexuellen Handlungen angespornt. Ins Netz ging der Mann, nachdem die Ermittler Telefone und SMS zwischen dem 63-jährigen und der 14-Jährigen einen Monat lang überwacht und ihm anschliessend eine Falle gestellt hatten.

Das Mädchen stellte sich für die Falle zur Verfügung und lockte den Priester zu sich nach Hause, wo es zu körperlichen Kontakten kam. Eine Kommissarin, die die Begegnung im Zimmer direkt beobachtete hatte, berichtete von einer Umarmung und einem Klaps auf den Hintern des Mädchens. Anschliessend hatte der Ex-Priester das Mädchen von hinten aufgehoben und aufs Bett geworfen.

Missbrauchter Agent Provocateur

Bei der mündlichen Urteilseröffnung erteilte die Einzelrichterin den Ermittlern eine schwere Rüge, weil sie ein Kind im Schutzalter zu einer verdeckten Operation missbraucht hätten. Die Untersuchungsbehörden seien dabei sogar so weit gegangen, dass das Treffen mit dem Mädchen im Zimmer als eine Provokation des Priesters gewertet werden müsste.

Ohne diese für das Gericht stark strafmildernden Umstände wäre der Ex-Priester sogar zu einer höheren Strafe verurteilt worden als die von der Anklage beantragten zwölf Monate bedingt, machte die Richterin bei der Urteilseröffnung klar.

Kritik an Anklageschrift und Verteidigung

Kritik übte die Richterin auch an der Anklageschrift, die unvollständig sei. Eine scharfe Rüge bekam zudem der Verteidiger des Ex-Priesters ab, weil er in seinem Plädoyer das 14-jährige Mädchen zur Täterin gemacht habe.

An die Adresse des Geistlichen gerichtet sagte die Richterin, dass er vielleicht nicht überall strafrelevant gehandelt habe. Sein Vorgehen sei aber moralisch verwerflich und beschämend.

Der Verteidiger, der für seinen Mandanten höchstens 14 Tage Gefängnis gefordert hatte, sagte nach der Urteilseröffnung, dass er das Urteil akzeptieren werde.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels26-10-2005
LandSchweiz
StadtGordola
Alter des Täters63
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen14, 17, 17
Anzahl der Betroffenen3
Art der Tat
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