KINDESMISSBRAUCH

Freiheitsstrafe auf Bewährung: Mann aus Mühlacker gesteht Missbrauch an neunjährigem Großneffen

Belastende Fotos auf einem Google-Account riefen das FBI auf den Plan. Bei einer Wohnungsdurchsuchung durch die Pforzheimer Kriminalpolizei lag der Neunjährige nackt im Bett.

Fotos auf einem Google-Account rufen FBI auf den Plan

von  Arnd Waidelich

Legt man sich ungestraft mit dem Großneffen nackt ins gleiche Bett? Und das gleich mehrfach? Nein, das geht gar nicht. Diese Erfahrung musste am Amtsgericht Pforzheim ein aus Freiberg bei Dresden stammender Angeklagter machen. Er hatte während der sächsischen Sommer- und Herbstferien 2019 seinen damals achtjährigen Großneffen zu Gast in Mühlacker-Lomersheim.

Dabei sei es zu schwerem sexuellem Missbrauch gekommen, so lautete der Tatvorwurf von Staatsanwalt Harald Lustig. Mit dem zur „Sommerfrische“ angereisten Großneffen habe der Angeklagte pornographische Videos angeschaut, habe selbst Hand an den Jungen angelegt, Hand an sich selbst legen lassen, davon Fotos gemacht und diese ins Internet hochgeladen. 

Ich will mich gar nicht rausreden, ich habe Fehler gemacht.

73-jähriger Angeklagter im Kreuzverhör mit dem Staatsanwalt 

Den Großteil der Vorwürfe räumte der Angeklagte ein. „Ich will mich gar nicht rausreden, ich habe Fehler gemacht“, bekannte er sich zu seiner Schuld. Sein Schuldbewusstsein zeigte sich besonders deutlich im Kreuzverhör mit Harald Lustig. Mit betretenem Schweigen nur beantwortete er beispielsweise dessen Frage, warum er sich mit dem Jungen nackt ins Bett gelegt habe.

Angeklagter beschuldigt damals Neunjährigen der Veröffentlichung

Einzig wenn es um den digitalen Bereich ging, wies er jede Beteiligung zurück. Auf dem weiten Feld von Handy und PC zeichnete er von sich das Bild eines Unwissenden. „Ich bin zu blöd, um so was zu machen“, meinte der 73-Jährige zu dem Vorhalt, er habe die Fotos nachgewiesenermaßen über seine eigene Email-Adresse verschickt. 

Mit einem wiederholten „das weiß ich nicht“ verortete er sich bei mehrfachen Nachfragen von Richterin Stephanie Gauß und dem Staatsanwalt im Tal der Ahnungslosen und behauptete: Der damals Neunjährige habe die Fotos mit seinem Handy angefertigt und dann sofort hochgeladen. Die Richterin mochte ihm das ebenso wenig glauben wie der Staatsanwalt. 

FBI macht Bundeskriminalamt auf Fotos aufmerksam

Genau diese Fotos waren es, die die Strafverfolgung ins Rollen gebracht hatten. Auf einem Google-Account liegend waren sie Ermittlern des FBI in den USA aufgefallen. Sie hatten das Bundeskriminalamt darauf aufmerksam gemacht. Eine darauf schnell folgende Durchsuchung der Räume des Beschuldigten durch Mitarbeiter der Pforzheimer Kriminalpolizei untermauerte den Tatvorwurf. 

Er habe den Jungen bei der Durchsuchung der Wohnung nackt im Bett angetroffen, beschrieb ein Kriminalbeamter die Situation. Der hyperaktive Junge habe bei seiner Vernehmung allerdings keineswegs einen traumatisierten Eindruck gemacht, habe die Vorfälle eher als „normal“ wahrgenommen. Eine ärztliche Untersuchung erbrachte keine körperliche Schädigung.

Einen letztendlichen Eindruck von den Vorfällen wollte sich das Gericht bei einer nichtöffentlichen Vernehmung des Jungen verschaffen. Der Angeklagte wurde dazu ebenso wie die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Das gleiche wiederholte sich bei den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger. 

Zwei Jahre auf Bewährung

Nach der Zeugenvernehmung sah das Schöffengericht unter der Leitung von Richterin Stephanie Gauß den Vorwurf von Staatsanwalt Harald Lustig bestätigt. Maßgeblich dafür waren die Aussagen des Kriminalbeamten und des Jungen selbst. Das Schöffengericht sprach den Rentner, der sich mit 450-Euro-Jobs gerade so über Wasser halten kann, schuldig. Seine zweijährige Freiheitsstrafe wird er allerdings nur dann antreten müssen, wenn er sich eines weiteren Vergehens schuldig machen wird. Sie wurde zur Bewährung ausgesprochen.

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