GESUCHTE TÄTERKINDESMISSBRAUCH

Geständnis im Inzest-Fall

Ein deutscher Familienvater, der seine Tochter und seine Stiefkinder jahrelang missbraucht haben soll, hat vor Gericht überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt. 

sda. Der 48-Jährige gebe alle Vorwürfe aus dem Plädoyer der Anklage zu, sagte sein Verteidiger gestern. Dabei geht es um rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten. 

Opfer waren drei seiner Kinder – eine heute 18-jährige Tochter, eine 27-jährige adoptierte Stieftochter und deren Zwillingsbruder (siehe BT vom 11. Februar). Beide Töchter soll er zudem an fremde Männer zum Sex verkauft haben. Der Angeklagte hatte vor Gericht bislang nur ein Teilgeständnis abgelegt und die Taten an seiner leiblichen Tochter eingeräumt. 

Der Angeklagte liess vor dem Koblenzer Landgericht über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe sich «grundsätzlich falsch verhalten». Dieser beantragte anschliessend neuneinhalb Jahre Haft für seinen Mandanten. 

«Taktisches Vorgehen» 

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Geständnis als ein «taktisches Vorgehen» des Mannes. Er zeige keine wirkliche Reue. An der rechtlichen Bewertung habe sich durch das Geständnis nichts geändert. Staatsanwalt und Nebenklage hatten letzte Woche 14 Jahre und 6 Monate Haft mit anschliessender Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert. Dabei blieb es auch nach dem Geständnis. 

Dass der 48-Jährige voll schuldfähig ist, hatte ein Gutachter bereits zuvor attestiert und auf das antisoziale und manipulierende Verhalten des Angeklagten hingewiesen. Ein Urteil wird für heute erwartet. 

Der Angeklagte, der den Prozess lange Zeit – auch bei den Aussagen seiner Kinder – fast regungslos verfolgt hatte, brach am Ende in Tränen aus. «Ich möchte mich bei den Opfern entschuldigen, es tut mir wirklich leid», sagte der 48-Jährige mit gebrochener Stimme. 

«Schauspielerei» 

Für die Nebenklage war das Verhalten des Angeklagten nicht glaubwürdig: «Das war mal wieder eine schauspielerische Leistung», sagte die Anwältin der Tochter. Seine Situation im Strafvollzug berühre ihn mehr als das Schicksal seiner Opfer. 

Der Fall hatte deutschlandweit für grosses Aufsehen gesorgt. Dabei war unter anderem das zuständige Jugendamt, das die Familie über Jahre hinweg betreut hatte, in die Kritik geraten. Die Mitarbeiter sollen trotz mehrfacher Hinweise auf Missbrauch in der Familie nicht ausreichend eingegriffen haben.

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