KINDESMISSBRAUCHWIEDERHOLUNGSTÄTER

Hohe Strafe für Walliser Sextäter gefordert

Im Wallis muss sich ab heute ein notorischer Sexualstraftäter vor Gericht verantworten. Der Mann soll in den letzten 15 Jahren rund 50 junge Mädchen betäubt und missbraucht haben.

Im Prozess gegen einen 62-jährigen aus dem Kanton Bern stammenden Mann, der wegen Sexualstraftaten vor Gericht steht, hat der Staatsanwalt eine 10-jährige Freiheitsstrafe sowie Verwahrung gefordert. Der Verteidiger plädierte für sechs Jahre Freiheitsstrafe begleitet von therapeutischen Massnahmen.

Die Anklage forderte am Montag vor dem Kreisgericht Oberwallis in Brig eine Verurteilung wegen sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Zudem verlangte Staatsanwalt Ferdinand Schaller eine einfache Verwahrung, die alle fünf Jahre überprüft wird.

Die Beweisführung habe sich als schwierig gestaltet, sagte der Staatsanwalt vor Gericht. Schliesslich habe der Mann seine Opfer meist im Schlaf überrascht und mit Trichlorethen betäubt, bevor er sich an ihnen verging. Oft könnten sich die Opfer deshalb gar nicht an die Tat erinnern.

«Ich bin aber überzeugt, dass der richtige Täter vor Gericht steht», sagte Schaller und verwies auf die vielen Indizien, die den Angeklagten belasten.

In einem Fall war der mutmassliche Täter jedoch deutlich von seinem üblichen Tatmuster abgewichen. Er folgte in Raron VS einer jungen Frau auf eine öffentliche Toilette, schloss die Türe, misshandelte und vergewaltigte sie. Die junge Frau konnte den Angeklagten nach seiner Verhaftung identifizieren.

Die Straftaten wiegten schwer, fasste der Staatsanwalt zusammen. Strafmildernde Umstände sah er keine. Hingegen attestiere ihm ein psychologisch-psychiatrisches Gutachten eine verminderte Schuldfähigkeit zu, die berücksichtigt werden müsse, sagte Schaller.

«Kein Unschuldslamm»

«Mein Klient ist kein Unschuldslamm», gab Verteidiger Philipp Matthias Bregy zu. Doch solle dieser nur für das verurteilt werden, was er wirklich getan habe. Die Verteidiger kritisierte die oftmals «schwache Beweislage» der Staatsanwaltschaft. Oft sei lediglich der gleiche Modus Operandi vorhanden, echte Beweise gäbe es keine, sagte er und verwies auf fehlende gynäkologische Untersuchungen bei mehreren Opfern.

Den Vorwurf der Vergewaltigung lehnte Bregy ab. Im Falle von drei Mädchen, die sich zur Tatzeit in einem Lager befanden, habe die Staatsanwaltschaft keinen aussagekräftigen Nachweis erbracht, dass es zum Beischlaf gekommen sei, sagte er.

Verteidigung: Anderer Täter in Raron

Im Vergewaltigungsfall von Raron geht der Verteidiger aufgrund des abweichenden Tatmusters von einem anderen Täter aus. Diese Tat sei mit viel Gewalt ausgeübt worden, sagte er. «Dies passt nicht zu meinem Klienten.» Laut dem Gutachten sei der Angeklagte kein aggressiver Mensch.

Bregy fordert eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung und einem weiteren, weniger schwer wiegenden Delikt.

Die vom Staatsanwalt geforderte Verwahrung lehnte er ab. Er begründete dies damit, dass sein Klient bis anhin noch nie eine Therapie erhalten hatte. «Die Verwahrung ist die ultima ratio.»

Vor Gericht gab sich der Angeklagte uneinsichtig. Er gab zwar zu, an mehreren Tatorten gewesen zu sein, stritt aber kategorisch ab, sich an Mädchen vergangen zu haben. Trotzdem entschuldigte er sich am Ende des Prozesses bei den Opfern.

Das Urteil erfolgt schriftlich zu einem späteren Zeitpunkt.

Übergriffe im Nobelinternat

Der Angeklagte soll insgesamt rund 50 Mädchen missbraucht haben. Die meisten waren unter 16 Jahre alt. Die dem Angeklagten vorgeworfenen Delikte gehen bis ins Jahr 1996 zurück, wobei viele bereits verjährt sind.

Mitte der 90er Jahre soll er mehrere Mädchen im Sport- und Freizeitcenter Fiesch VS sexuell belästigt haben. Er drang nachts ins Center ein und betäubte die schlafenden Mädchen, bevor er sich an ihnen verging.

Schweizweit Aufsehen erregten die ihm zur Last gelegten sexuellen Übergriffe im Jahr 2000 auf drei Schülerinnen des Nobelinternats L’Aiglon College in Villars-sur-Ollon VD.

2007 konnte der Mann im Kanton Solothurn festgenommen werden. Schon 1979 war der Angeklagte zu einer 10-jährigen Freiheitsstrafe wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden.

SDA/amiPubliziert: 27.06.2011, 12:04

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