KINDESMISSBRAUCH

Im Internet von Polizei erwischt

Ein Postangestellter aus Wetzikon hat über das Internet ein minderjähriges Mädchen kennen gelernt und sexuell missbraucht. Er erhält eine bedingte Strafe.

Am 7. September 2010 erlebte ein heute 33-jähriger Postangestellter in einem Zürcher Fast-Food-Restaurant eine böse Überraschung. Anstelle der 14-jährigen «Lili» traf er auf mehrere Beamte der Kantonspolizei Zürich. Sie nahmen den Zürcher Oberländer sofort fest. Der geschiedene Familienvater hatte das vermeintlich 14-jährige Mädchen zuvor via Chat im Internet kennen gelernt und die Gespräche schon bald auf sexuelle Themen gelenkt. Er erklärte «Lili», dass sie mit 14 Jahren absolut nicht zu jung sei für ihn und dass er mit ihr Sex haben wolle. Er wolle es ihr richtig schön machen, versprach er und vereinbarte mit ihr ein Treffen im fraglichen Zürcher Imbisslokal. Halbes Jahr in U-Haft Der ertappte Internettäter sollte 14 Tage in Untersuchungshaft verbringen. Doch dann kam Schlimmeres heraus. Die Untersuchung des Computers ergab, dass der Schweizer Beschuldigte bereits im Sommer 2008 eine echte 14-jährige Schülerin im Internet angesprochen hatte. Neun Monate später holte der Postangestellte das inzwischen 15-jährige Mädchen mit seinem Auto ab und brachte es an seinen Wohnort in Wetzikon. Dort kam es bis August 2009 dreimal zu sexuellen Handlungen. In der vorliegenden Anklageschrift war von Zungenküssen, manuellen Handlungen und Oralverkehr die Rede. Das im Nachhinein von der Polizei ausfindig gemachte Opfer konnte während der Untersuchung die Übergriffe bestätigen, machte aber geltend, dass es freiwillig mitgemacht habe. Was am objektiven Straftatbestand allerdings nichts änderte. Der Postbeamte verbrachte danach über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft und wurde im letzten März aus dem Gefängnis entlassen. Am Donnerstag hinterliess der Angeklagte am Bezirksgericht Zürich nicht gerade den besten Eindruck. So konnte der Postangestellte aus Wetzikon sich nur zu einem halbherzigen Teilgeständnis durchringen. So gab der Wetziker zu, dass er sich an der 15-jährigen Schülerin vergangen hatte. Allerdings sprach er von einer gegenseitigen Liebesbeziehung, da er die Geschädigte als erwachsene Frau wahrgenommen habe. Drei Jahre gefordert Den Vorwurf betreffend den versuchten sexuellen Handlungen mit «Lili» bestritt er. So habe er die Schülerin nur treffen wollen, um ihr persönlich klarzumachen, dass nichts laufen werde. Für die Staatsanwältin stand dagegen klar fest, dass der Beschuldigte trotz einer festen Freundin erneut ein sexuelles Abenteuer mit einer Minderjährigen gesucht hatte. Die Anklägerin verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und bedauerte, dass die verdeckten Ermittlungen gegen Kinderschänder heute nicht mehr möglich seien. Der Verteidiger verlangte einen Teilfreispruch und setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten ein. Kontaktverbot auferlegt Das Gericht beschritt den Mittelweg und setzte wegen sexueller Handlungen mit Kindern und des Versuchs dazu eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten fest. Bei einer langen Probezeit von vier Jahren. In zwei Nebenpunkten gab es Freisprüche. So sei alleine das Gespräch im Chatroom noch keine sexuelle Handlung gewesen, erklärte die Gerichtsvorsitzende. Hingegen sei erwiesen, dass der Beschuldigte den sexuellen Kontakt mit «Lili» gesucht habe. Das Gericht ergänzte sein Urteil mit einem aussergewöhnlichen Verbot: So wurde dem Vater eines Kindes künftig untersagt, im Internet Kontakt mit im Schutzalter befindlichen Personen aufzunehmen. Von der Anordnung einer ambulanten Psychotherapie sah das Gericht ab.

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