Jungen entführt und missbraucht: Lange Haftstrafe für 37-Jährigen mit Windelfetisch

Es ist 21.45 Uhr an einem Samstag in einem ruhigen Ulmer Stadtteil, als der Entführer im Jahr 2006 zum ersten Mal zuschlägt: Der Mann zerrt einen 13-Jährigen, der auf dem Weg von der Eisbahn zurück nach Hause ist, in sein Auto, verriegelt die Türen und fährt mit ihm zu einer abgelegenen Stelle.

Dort schlägt er den Jungen, missbraucht ihn sexuell und macht Fotos davon. Danach setzt der Mann den 13-Jährigen an einem Wanderparkplatz ab, der Junge flüchtet zum nächsten beleuchteten Haus.

Beitrag in „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Wegen dieser und einer weiteren ähnlichen Tat gut ein Jahr später in Heidenheim ist am Dienstag ein heute 37-Jähriger am Ulmer Landgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden – fast 15 Jahre nach der ersten Entführung. Jahrelang hatte die Polizei mit Zeugenaufrufen, Massen-Gentests und einem Beitrag in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ nach dem Täter gesucht.

Doch erst im Jahr 2018 brachte eine Online-Tauschplattform für kinderpornografisches Material die Ermittler auf die Spur des Mannes, weil er dort Bilder und Videos von sexuellem Kindesmissbrauch und Vergewaltigung von Jungen verbreitete.

Der nun Verurteilte pflegte außerdem einen bizarren Windelfetisch. Er selbst trug Windeln, aber auch seine Opfer mussten solche vor dem Missbrauch überstreifen.

Ermittlungen führen bis nach Westerheim

Bis der Mann mit den beiden Entführungen in Verbindung gebracht wurde, vergingen aber noch einmal zwei Jahre. Bei einer weiteren Durchsuchung der Wohnung und eines Campingwagens des Mannes in Westerheim im Herbst 2020 fanden die Ermittler wieder kinder- und jugendpornografisches Material – und Hinweise auf die Taten in den Jahren 2006 und 2007.

Bei der Verkündung des Urteils am Dienstag betonte der Vorsitzende Richter Michael Klausner, die Entführungen der 13 und 12 Jahre alten Jungen seien „keine sexuellen Impulstaten“ gewesen.

Vielmehr habe der Mann die Taten mit hoher krimineller Energie geplant, seine Opfer „gezielt in ruhigen Wohngebieten“ in Ulm und Heidenheim ausgesucht sowie Klebeband zum Fesseln und Gegenstände zum Schlagen der Jungen mitgenommen. Unter den Folgen des Missbrauchs litten die Opfer bis heute, sagte Klausner.

Urteil landet in der Mitte der Forderungen

Der 37-Jährige mit deutscher Staatsbürgerschaft hatte die Taten zum Prozessauftakt Anfang Mai durch eine Erklärung seines Verteidigers vollumfänglich gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer zwölf Jahre Haft gefordert, die Verteidigung acht Jahre.

Das Ulmer Landgericht verurteilte den Mann nun zu zehn Jahren, unter anderem wegen jeweils eines besonders schweren Falls von Vergewaltigung und sexuellem Kindesmissbrauch sowie Freiheitsberaubung, des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material.

Die Voraussetzungen für eine Unterbringung des 37-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik oder für eine Sicherungsverwahrung sahen die Richter aber nicht als erfüllt. Während der Taten sei der Mann „voll schuldfähig gewesen“, sagte der Vorsitzende Richter Klausner. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels13.07.2021
LandDeutschland
StadtUlm
Alter des Täters37
Verurteilt10 Jahr(e)
BewährungNein
Geschlecht des Betroffenenmännlich
Altes des Betroffenen12, 13
Anzahl der Betroffenen2
Art der TatMissbrauch
Anzahl der Taten2
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)X
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