KINDESMISSBRAUCHKIRCHENMITGLIEDER

Keine Insel der Seligen

Schweiz Haben Schweizer Priester und andere Mitarbeiter der Kirche Kinder missbraucht? Sicher ist, dass dies in einer Anzahl von Einzelfällen geschah: So wurden 2008 im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg Verfahren gegen mehrere Priester geführt. Das Ausmass insgesamt ist noch nicht klar. Die

14.03.2010

Schweiz

Haben Schweizer Priester und andere Mitarbeiter der Kirche Kinder missbraucht? Sicher ist, dass dies in einer Anzahl von Einzelfällen geschah: So wurden 2008 im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg Verfahren gegen mehrere Priester geführt. Das Ausmass insgesamt ist noch nicht klar. Die Kirche ist aufgeteilt in rechtliche Einheiten – Bistümer, Klöster, Bildungsstätten –, was bisher erschwerte, dass Informationen zusammenkommen. Erst seit 2009 ist ein einheitliches Informationssystem in Kraft. 2002 flog der Fall des Pfarrers von Walenstadt auf, der in den Jahren 1985 bis 1997 als Pfarrer in Uznach Knaben regelmässig missbraucht hatte. Er wurde deswegen zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im selben Jahr 2002 erliess die Schweizer Bischofskonferenz Richtlinien, gestützt auch auf ein Schreiben aus dem Jahr 2001, in dem der damalige Kardinal Ratzinger – der heutige Papst – aufforderte, sich des Problems anzunehmen. So schuf die Konferenz das Fachgremium «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral», an dessen Spitze ein von der Kirche unabhängiger Jurist steht.

In einem Überblick zählt die Fachstelle für die Jahre 2003 bis 2010 an Missbrauchsfällen auf: 5 Mädchen und heranwachsende Frauen, 2 erwachsene Frauen, 2 männliche Jugendliche. Die Täter waren in 8 Fällen Priester, in 1 Fall eine Lehrerin. In 3 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

«Mindestens 60 Fälle»

Da sich dieses Gremium mit «besonderen» Fällen befasst, sind in den Bistümern behandelte Vorgänge nicht aufgelistet. Anfang dieses Jahres berichtete die Zeitung «Sonntag», gestützt auf eine Umfrage bei den Bistümern, dass dort in den letzten 15 Jahren «mindestens 60» Missbrauchsfälle behandelt worden seien. Durch Lebensberichte bekannt ist, dass früher Verdingkinder und Opfer der Aktion «Kinder der Landstrasse» in den Heimen von Nonnen missbraucht wurden.

Der Leiter des Gremiums «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral», Adrian von Kaenel, kritisierte unlängst, dass in vielen religiösen Gemeinschaften und Orden «noch kein Umdenken» stattgefunden habe. Er begrüsst, dass die Presse diese Fragen aufwerfe. Opferhilfestellen zeigen sich zurückhaltend. Unter Berufung auf die «Schweigepflicht» erklärt die Opferberatungsstelle im katholischen Kanton Luzern, man wolle zum Thema nichts sagen, auch nichts Allgemeines, «wegen des Schutzes der Opfer» . Willi Wottreng

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