Kinderschänder darf wieder zu den jungen Fussballern

Winterthur verbannte einen Trainer von den Sportplätzen. Zu Unrecht, sagen die Richter.

Winterthur – Über Jahre hat der heute 61-jährige Winterthurer Fussballlehrer G. (Name der Redaktion bekannt) seinen minderjährigen Ziehsohn missbraucht. «Dreist und unverfroren» ist er laut dem Zürcher Obergericht vorgegangen, um den Buben einer eng befreundeten Familie zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr sexuell auszubeuten. Für seine Taten kassierte G. im August 2007 eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 33 Monaten, von denen er 12 Monate absitzen musste.

Stadt wollte Kinder schützen

Als das Bundesgericht den Schuldspruch bestätigt hatte, griff auch die Stadt Winterthur durch: Das Sportamt von Stadträtin Pearl Pedergnana (SP) verbot G. im Mai 2008 für drei Jahre, sämtliche städtischen Schul- und Sportanlagen zu betreten. Es bestehe ein öffentliches Interesse daran, Kinder und Jugendliche vor Kontakten mit dem einschlägig vorbestraften Fussballlehrer zu schützen und weitere sexuelle Übergriffe zu verhindern. Die Stadt stützte sich dabei auf eine Klausel zum Schutz von Sicherheit und Ordnung in der kommunalen Polizeiverordnung.

Doch G. wollte das Verbot nicht hinnehmen und wehrte sich. Es schränke seine Wirtschaftsfreiheit ein, wenn er nicht mehr auf die Fussballplätze dürfe. Als Spielervermittler sei er darauf angewiesen, jederzeit die Trainings und Spiele regionaler Nachwuchsmannschaften zu besuchen.

Beim Winterthurer Stadtrat blitzte der 61-Jährige mit diesem Argument ab. Der Bezirksrat gestattete ihm dagegen, im Stadion Schützenwiese wenigstens die Spiele der erwachsenen Profimannschaft des FC Winterthur zu besuchen. G. reichte das jedoch nicht. Vor dem kantonalen Verwaltungsgericht verlangte er, auch wieder zu den Spielen und Trainings der Junioren zu dürfen.

Das Gericht gab ihm jetzt teilweise Recht. Dem Sexualstraftäter bleibt es zwar untersagt, sich in den Turnhallen von Schulanlagen herumzutreiben. Dafür hat er wieder Zutritt zu allen frei zugänglichen Sportplätzen der Stadt, auf denen die Fussballjunioren trainieren. Die Verfügung des Sportamts beschneide nicht nur die Wirtschafts-, sondern auch die Bewegungsfreiheit von G., fand das Gericht.

Laut dem Urteil durfte sich die Stadt bei ihrem Verbot auch nicht auf die erwähnte Klausel in der Polizeiverordnung berufen. Es treffe zwar zu, dass der Mann auf Sportanlagen sehr einfach Kontakte mit unbeaufsichtigten Kindern und Jugendlichen knüpfen könne. «Alleine wegen des strafbaren Verhaltens des Beschwerdeführers kann aber nicht generell auf eine schwere und unmittelbare Gefahr für die Minderjährigen geschlossen werden.» Begründung des Gerichts: Seine früheren Taten hat G. stets in seinem familiären Umfeld begangen. Aus seiner Tätigkeit als Spielervermittler und Leiter einer Fussballschule sind dagegen keine sexuellen Übergriffe aktenkundig.

Pedergnana ist enttäuscht

Schulvorsteherin Pearl Pedergnana bedauert das Urteil: «Wir haben das öffentliche Interesse am Schutz der Kinder höher gewichtet als die Bewegungs- und Wirtschaftsfreiheit eines Individuums.» Trotzdem verzichte die Stadt wohl auf den Weiterzug ans Bundesgericht. Vor allem weil die frühere Fussballschule von G. nicht mehr auf einer städtischen Anlage beheimatet sei.

Der 61-Jährige hatte die Talentschmiede zusammen mit Profi Bruno Sutter geführt. Letzterer leitete nach der Verurteilung seines Kompagnons die Trainings weiter; auch G. tauchte zwischenzeitlich dort auf. Das passte der Stadt nicht. Sie knüpfte die Weiterführung der Fussballschule an strenge Bedingungen. Auflagen, die Sutter nicht erfüllt hat, wie Pedergnana sagt.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels16-01-2010
LandSchweiz
StadtWinterthur
Alter des Täters61
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen10
Anzahl der Betroffenen2
Art der Tat
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