Kindesmissbrauch: „Er War Eine Respektsperson“

Der Mann war empört: „Diejenigen, die um seine Krankheit wussten und schwiegen, verurteile ich zutiefst“, sagte der Vater eines vermutlichen Missbrauchsopfers von Franz N. Der einstige Messdiener kann heute nicht mehr gefragt werden, er verstarb vor zwei Jahren. 1978, als Elfjähriger, habe er sich urplötzlich geweigert, weiter das Messdiener-Amt in der Allerheiligen-Kirche zu erfüllen. Er habe gar nicht mehr in die Kirche gehen wollen und ihr später durch Austritt ganz den Rücken gekehrt. Im Jahr 1978 war Franz N. bereits sechs Jahre Pfarrer in Allerheiligen. „Wir kamen nie auf den Gedanken, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte“, sagte der Vater des Verstorbenen. Selbstkritisch fügte er hinzu: „Wir hätten seinerzeit dem mehr nachgehen sollen.“
Sechs Fälle nachgewiesen
Es war erschütternd, was am Dienstagabend auf der öffentlichen Gemeindeversammlung der katholischen Kirche im Pfarrheim der Allerheiligen-Kirche zutage trat. Franz N., das steht mittlerweile fest, hat während seiner Tätigkeit als Geistlicher, die er 1960 antrat, sich mindestens sechs Mal des Missbrauchs von Kindern schuldig gemacht. Er habe sich den Kindern in sexueller Absicht genähert, Jungen in die Hose gefasst. Auch Mädchen waren vor ihm nicht sicher. „Ich habe ihn geliebt. Er war eine Respektsperson für mich“, berichtete eine Frau, die als junges Mädchen von N. immer wieder dazu genötigt wurde, auf seinem Schoß zu sitzen.
Durch Berichte in der NWZ? und der Wilhelmshavener Zeitung gerieten die Vorwürfe, die seit Bekanntwerden vor einem Jahr unter der Decke gehalten wurden, an eine breitere Öffentlichkeit. Dechant Hubert von der Heide sagte, er habe den ersten Hinweis auf Verfehlungen von Franz N. vor drei Wochen erhalten und einen Kreis von 20 Personen darüber informiert. „Das hat uns sehr schockiert und gelähmt“, meinte von der Heide. Es werde wohl mehrere Jahre brauchen, bis die Gemeinde das verarbeitet habe. Von der Heide hatte, wie er zugab, erst nach langem Ringen zu dem Treffen am Dienstag eingeladen, um einen Weg zu finden, „aus dem Tal der Tränen herauszukommen“.
N. weigerte sich zu sprechen
Offizialatsrat Monsignore Bernd Winter, Leiter der Abteilungen Seelsorge und Seelsorge-Personal im Offizialat, stellte die Geschichte der Causa Franz N. dar. Im Februar 2010 hätten den Bischof von Münster Vorwürfe gegen Franz N. wegen einer Jahrzehnte zurückliegenden Tat erreicht. Eine bischöflische Kommission sollte Klärung herbeiführen, N. wurde zu einem Anhörungstermin geladen. Doch der verweigerte strikt die Zusammenarbeit. Per Dekret wurde ihm daraufhin die Ausübung aller priesterlichen Tätigkeiten verboten. Im März 2010 seien zwei weitere Fälle bekanntgeworden. Die bischöflische Kommission schaltete die Staatsanwaltschaft ein. N. legte kurz darauf ein ärztliches Attest, Diagnose Senile Demenz, vor. Wegen Verjährung wurden die Vorwürfe juristisch nicht weiter verfolgt. Winter: „Bei der Zusammenschau der Dinge die wir wissen, gibt es keinen Zweifel daran, dass Pfarrer N. Kinder missbraucht hat. Das ist eine Erkenntnis, der wir uns nicht entziehen können.“
„Da waren doch Akten“
Anfang April 2010 siedelte der über 80-Jährige, der 40 Jahre als Geistlicher in Delmenhorst tätig war, in ein Heim nach Molbergen um. Die Gemeinde wurde im Unklaren gelassen weshalb. Empörung kochte hoch wegen der „Abschiebung“ des – damals noch – beliebten Mannes, der das Gemeindeleben so sehr mitgeprägt hat. Dass N. im Jahre 1971 eine mehrmonatige Therapie wegen seiner pädophilen Neigungen antrat, sei in Vechta bis zum Zeitpunkt des Dekrets nicht bekannt gewesen, erklärte Winter, „die Personalakten der Geistlichen werden in Münster geführt“. Unmittelbar nach der Therapie trat Franz N. seine Stelle in Delmenhorst an.
Das wollte ein Zuhörer nicht verstehen. „Wie konnte es passieren, uns einen jungen ,prima‘ Pfarrer hinzusetzen, nach einer Therapie? Da waren doch Akten, da waren doch Vorfälle!“ Auf Unverständnis stieß auch die Politik des Offizialates, die Delmenhorster Gemeinde ein Jahr lang nicht informiert zu haben. „Man hat uns im Regen stehen lassen“, sagte einer.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels21-04-2011
LandGermany
StadtDelmenhorst
Alter des Täters80
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen11
Anzahl der Betroffenen1
Art der Tat
Anzahl der Taten6
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