Kindesmissbrauch bereitete Pfarrer „Wohlempfinden“

Weiden – Im neu aufgerollten Prozess gegen einen katholischen Pfarrer aus der Oberpfalz wegen jahrelangen Missbrauchs von Kindern hat der Geistliche ein sexuelles Motiv für seine Taten eingeräumt. „Es war ein Wohlempfinden, eine sexuelle Gestimmtheit“, sagte der 46- Jährige vor dem Jugendschöffengericht Weiden.

Im ersten Prozess hatte er den Missbrauch in mindestens 45 Fällen zugegeben, ein sexuelles Motiv aber verleugnet. Der Prozess war im Februar geplatzt. Das Gericht entschied überraschend, dass noch ein Psychiater die Schuldfähigkeit des Mannes überprüfen müsse.

In dem neuen Prozess steht der Pfarrer zudem wegen Untreue vor Gericht. Der 46-Jährige soll rund 77 000 Euro von Konten der Kirchenstiftung auf sein Privatkonto überwiesen haben. Ein Mitglied der Kirchenverwaltung hatte nach Ablauf des ersten Prozesses die Veruntreuung angezeigt. „Die Versuchung war zu groß“, gab der Pfarrer zu.

Durch den Kauf einer Eigentumswohnung habe er sich finanziell übernommen, erklärte er. Mit dem Geld der Stiftung habe er sein Konto zehn Mal ausgeglichen. „Ich bedauere dies zutiefst“, sagte der Geistliche. Mit der Stiftung habe er vereinbart, dass er das Geld zurückzahlt.

Nach wie vor steht im Mittelpunkt des Verfahrens die Anklage wegen sexuellen Missbrauchs in 45 Fällen. Der Geistliche soll sich rund zehn Jahre lang immer wieder an Kindern vergangen haben. Insgesamt zwölf Schüler soll er unsittlich berührt haben. Auf Jugendfreizeiten soll sich der 46-Jährige zu Kindern ins Bett gelegt haben.

Auch im Pfarrhaus und im Religionsunterricht soll er die neun bis 14 Jahre alten Buben missbraucht haben. Im ersten Prozess hatte der Staatsanwalt eine zweieinhalb jährige Haftstrafe gefordert. Das Bistum will den derzeit suspendierten Geistlichen nach einer eventuellen Verurteilung als Seelsorger in einem Altenheim für Klosterschwestern einsetzen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels02-04-2009
LandGermany
StadtWeiden
Alter des Täters46
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen9-14
Anzahl der Betroffenen12
Art der Tat
Anzahl der Taten45
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