KINDESMISSBRAUCH

Kindesmissbrauch: Die Hand im Schritt

46-jähriger Familienvater belästigt Kinder – Nachbarstochter intensiv im Intimbereich eingecremt – 10.06.2011 09:45 Uhr

SCHNAITTACH – Ein 46-jähriger Schnaittacher Familienvater ist vom Amtsgericht Hersbruck wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Eines der beiden Mädchen stammte aus dem näheren Bekanntenkreis.

Wie die Neigung des Mannes und die Missbrauchsfälle aufflogen, war vor Gericht kein Thema. Aber am Rande des Strafprozesses war dann doch zu erfahren, dass sich das jüngste Opfer, eine damals Neunjährige, während eines Grillfestes im August 2010 an seine Mutter wandte. Der Schnaittacher, den sie nicht näher kannte, habe „merkwürdige“ Fotos von ihr geschossen, für die sie ihr T-Shirt lüpfen sollte. Und er sei noch viel weiter gegangen, folgte ihr in ihr Zimmer, wo sie sich umzog, und berührte sie im Schritt. Die Mutter rief die Polizei, die nicht nur die Speicherkarte des Fotoapparates mitnahm, sondern auch den Computer. Auf der Festplatte befanden sich 1.800 – laut Staatsanwalt Roland Fleury – „grob reißerische“ kinderpornografische Bilder und 42 entsprechende Videos.

Doch damit nicht genug. Als eine 14-jährige Bekannte des neunjährigen Mädchens davon erfuhr, brach sie zusammen. Sie hatte drei bis sechs Jahre davor – genau erinnerte sie sich nicht mehr – Ähnliches mit dem Nachbarn und Bekannten ihrer Mutter erlebt. Vor der Polizei sagte die heutige Jugendliche aus, dass er ihr, als sie sieben, acht oder neun Jahre alt war, auf dem Heimweg von der Grundschule angeboten hatte, sie nach Hause zu fahren. Er nahm sie aber dann mit zu sich, wo er sie im Intimbereich eincremen wollte, was sie verhinderte. Etwa in derselben Zeit habe er sie nach einem Ausflug zusammen mit seinen Kindern geduscht, intim angefasst und „mindestens 15 Minuten“ im Schritt eingecremt. Vor Amtsrichter Waldemar Müller und zwei Schöffen gab der 46-Jährige alle Vorwürfe zu, ließ seinen Verteidiger Gero Loyens eine Entschuldigung formulieren und die 15 Minuten Eincremen auf „höchstens 30 Sekunden bis eine Minute“ revidieren, was Staatsanwalt Fleury aber dennoch als „für das Kind subjektiv lang und keinesfalls zufällig“ einstufte.

Selbst äußerte sich der Angeklagte erst am Ende: An die Mutter der heute 14-Jährigen gerichtet sagte er, alles sei nicht so gemeint gewesen, wie es aussehe. Er habe ihrer Tochter nichts Schlimmes antun wollen. Dies blieb unkommentiert. Die Nebenklage-Vertreterin Elke Zipperer, die die 14-Jährige vertrat, forderte zusätzlich zum Strafmaß ein Schmerzensgeld von 1.500 Euro und die Kostenübernahme für alle Spätfolgen des Missbrauchs. Das Mädchen kommt bisher ohne Therapie aus. Letztlich folgte das Schöffengericht der Staatsanwaltschaft mit zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und der Auflage, 1.000 Euro Schadensersatz an die 14-Jährige zu zahlen sowie 500 Euro an den Verein Frauen und Kinder in Not. Richter Müller machte deutlich, dass der 46-Jährige nur deshalb noch Bewährung bekommen habe, weil sonst seine wirtschaftliche Existenz vernichtet wäre und die Opfer dann leer ausgingen. Ob das zweite Mädchen auf Schadensersatz klagt, war noch nicht bekannt.

Michael Scholz

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