Kindesmissbrauch in Donaueschinger Hotel bleibt 16 Jahre unentdeckt

Kindesmissbrauch in Donaueschinger Hotel bleibt 16 Jahre unentdeckt
An einem heißen Tag im Juli 1998 kam es in einem Hotelzimmer in Donaueschingen zwischen einem damals 43-jährigen Familienvater aus Nordrhein-Westfalen und einem elfjährigen Mädchen aus der Region zu einem Vorfall, der nie hätte passieren dürfen.

Erst 16 Jahre später zog dieser für den Oberstleutnant der Bundeswehr eine Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs nach sich. Der inzwischen erwachsenen, verheirateten Frau war das mühsam verdrängte, traumatische Erlebnis im Verlauf einer Psychotherapie wieder bewusst geworden. Für ihre psychischen Probleme machte sie den Angeklagten verantwortlich.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Villingen-Schwenningen hielt die Schuld des Mannes für erwiesen und verurteilte ihn vor drei Jahren zu 15 Monaten Haft auf Bewährung. Dieses Strafmaß hätte für den heute 62-jährigen, frühpensionierten Soldaten den Verlust seiner Pensionsansprüche bedeutet.

In einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Konstanz plädierten seine Anwälte deshalb für eine Strafe, die weniger als ein Jahr beträgt. Seine Schuld wurde nicht bestritten. Das Gericht verhängte jetzt zehn Monate auf Bewährung und verpflichtete den Angeklagten zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 7000 Euro.

Im Sommer vor der Tat verbrachte der Oberstleutnant mit seiner Frau und seinen beiden Kindern den Urlaub in der Region. Dort lernten sie die Familie des Mädchens kennen. Man freundete sich an und blieb auch danach noch in Kontakt. Ein Jahr später weilte der Familienvater aus Bonn alleine in einem Hotel in Donaueschingen und verabredete sich mit der inzwischen Elfjährigen zum Baden. Angeblich um sich umzuziehen und seine Badesachen zu holen, nahm er sie mit auf sein Zimmer. Dort kam es zu dem schwerwiegenden sexuellen Übergriff, der erst jetzt geahndet wurde.

Vor der Berufungskammer am Landgericht blieben der 62-jährige Angeklagte und die heute 30-jährige Geschädigte Phantome. Sie ließen sich von ihren Anwälten vertreten. Der mittlerweile geschiedene und angeblich aufgrund des Strafverfahrens hoch verschuldete 62-Jährige leide an Depressionen, hieß es. Auch die Geschädigte schickte nur ihren Anwalt. Der Prozess vor dem Amtsgericht sei „sehr unschön“ verlaufen, bemerkte die Vertreterin der Staatsanwalt. Der Versuch, in einer Verhandlungspause einen strafmildernden Täter-Opfer-Ausgleich zu vereinbaren, scheiterte. Stattdessen boten die Anwälte des 62-Jährigen bis zu 10 000 Euro Schmerzensgeld an.

„Meiner Mandantin kommt es nicht auf Geld an“, erklärte ihr Anwalt. Das würde sie sofort einer gemeinnützigen Einrichtung spenden. Für sie sei einzig und allein wichtig, dass der Täter seine Schuld öffentlich eingesteht und sich entschuldigt. „Das ist nicht möglich“, meinten die Anwälte des 62-Jährigen. Denn so ein Schuldeingeständnis hätte die gleiche fatale Folge wie eine zu hohe Strafe, nämlich den Verlust seiner Bezüge.

Dass es trotzdem zu einem milderen Urteil kam, begründete das Gericht unter anderem damit, dass fraglich sei, ob die psychischen Probleme der Geschädigten alleine auf den damaligen sexuellen Missbrauch zurückzuführen seien. Auch hätten ihre Eltern es dem Täter „leicht gemacht“, indem sie ihm die Elfjährige einfach überlassen hätten.

Aktualisiert 29. Mai 2018, 11:55 Uhr im Ressort Donaueschingen

Share with:


Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn

ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels23-01-2018
LandGermany
StadtDonaueschingen
Alter des Täters43
Verurteiltn.a. Jahr(e) 10 Monat(e)
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen11
Anzahl der Betroffenen1
Art der TatMissbrauch
Anzahl der Taten1
VerknüpfungClick here to view detail " target="_blank">Link