KINDESMISSBRAUCH

Kriminalität Weitere Festnahme im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach

Im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern haben Ermittler einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Ein 32-Jähriger aus Bergisch Gladbach sitze in Untersuchungshaft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Er soll zwei Kinder missbraucht und kinderpornografisches Material verbreitet haben. Sein Wohnsitz werde durchsucht, hieß es.ANZEIGEPolizistin bei Festnahme ins Gesicht gespuckt

Es ist die zehnte Festnahme in dem Missbrauchsfall. Acht Männer wurden in Nordrhein-Westfalen, zwei weitere Männer in Hessen und Rheinland-Pfalz festgenommen. Darüber hinaus gibt es weitere Tatverdächtige. Die genaue Zahl von Tätern und Opfer lässt sich derzeit nicht abschätzen.

Allein in Nordrhein-Westfalen sind den Ermittlern bislang mehr als zehn mutmaßliche Opfer bekannt, sie sind zwischen einem und 14 Jahren alt. Mehrere der Kinder sind inzwischen angehört worden, andere sind schlicht zu jung dafür. Das erfuhr der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen.

Ausgangspunkt für die umfangreichen Ermittlungen waren große Datenmengen mit kinderpornografischem Inhalt, die Ende Oktober bei der Durchsuchung einer Wohnung in Bergisch Gladbach gefunden wurden. Die Bilder auf dem Smartphone des Familienvaters zeigen laut Polizei schweren sexuellen Missbrauch. Durch Auswertung seines Handys kamen die Ermittler weiteren Verdächtigen auf die Spur.

In dem Netzwerk sollen Täter Fotos und Videos vom Missbrauch in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben. Mindestens zwei der Verdächtigen sollen sich nach SPIEGEL-Informationen in den Chats über die mögliche gegenseitige Zuführung von Kindern ausgetauscht haben – mit dem Ziel, diese zu misshandeln. In einem Fall kam es vermutlich auch zu einem “Austausch”. Weitere Fälle werden derzeit von den Ermittlern geprüft. So sollen manche Tatverdächtige Bilder der eigenen Kinder ins Netz gestellt haben, andere Beschuldigte sollen auf dieser Grundlage angefragt haben, ob ein “Tausch” oder eine Zuführung möglich sei.

Die Ermittler arbeiten sich derzeit durch große Mengen von Daten mit belastendem Material und gehen von weiteren Tätern und Opfern aus. Die Polizei setzt dafür auch frisch rekrutierte “Bewerter” ein.

Kürzlich wurden in dem Fall zudem Ermittlungsfehler bekannt. In einer Fragestunde des nordrhein-westfälischen Landtags räumte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) “zwei handwerkliche Fehler”der Staatsanwaltschaft Kleve ein.

Die gesamte Dimension des Falls ist den Ermittlern zufolge noch nicht abzuschätzen. Bisher unbekannte Täter könnten demnach weiter aktiv sein. Es sei zu erwarten, dass die Ermittlungen auf andere Bundesländer und möglicherweise bis ins Ausland ausgeweitet würden. Mehr als 250 Ermittler arbeiten laut Polizei an der Aufklärung.

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