Landsberger missbraucht seine Adoptivtochter

Über mehrere Jahre hinweg hat ein Mann aus Landsberg seine Adoptivtochter sexuell missbraucht. Jetzt ist nach drei Verhandlungstagen gegen den heute 70-Jährigen vor dem Landgericht Augsburg am Dienstag ein Urteil gefallen.

Der Missbrauchsfall liegt schon Jahre zurück und wurde jetzt unter dem Vorsitz von Richter Lenart Hoesch juristisch aufgearbeitet: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs der Adoptivtochter in über 90 Fällen, die zum Zeitpunkt der Taten in den Jahren 2000 bis 2005 noch ein kleines Kind war. 1996 wurde das Opfer geboren. Zu einem Geschlechtsverkehr soll es allerdings nicht gekommen sein, wie es vor Gericht hieß.

Der Landsberger Anwalt erstattet Anzeige

Möglicherweise hätte die „Kleine“ die Tortur noch länger erleiden müssen, als es ohnehin schon der Fall war. Zu Hilfe kam ihr, dass ihre Mutter und der Stiefvater um 2005 herum immer öfter in Ehestreitigkeiten gerieten und sich in der Folge trennten. In dieser länger währenden Chaosphase zwischen den beiden Erwachsenen hielt die Adoptivtochter des Angeklagten mit den Geschehnissen nicht mehr länger hinter dem Berg und plauderte in der Schule. Doch erst jetzt kam der Fall vor Gericht, nachdem der Landsberger Anwalt Joachim Feller im Auftrag des Opfers Anzeige erstattete.

Nach und nach wurde so bekannt, dass sich einer der Übergriffe bei einem Italien-Urlaub abgespielt hatte. Und ansonsten soll der Stiefvater seine sexuellen Begehrlichkeiten mit dem Mädchen zu Hause in Landsberg ausgelebt haben. Darunter befanden sich auch einzelne Verstöße wegen des Missbrauchs einer Schutzbefohlenen. Der schwere Missbrauch landete schließlich vor dem Landgericht Augsburg (Jugendkammer).

Eine Hauptverhandlung, sie ging am 28. Juni über die Bühne, reichte bei diesem schwerwiegenden Fall nicht aus. So wurde am 8. Juli in einer Fortsetzung weiter verhandelt. Da waren auch schon die Plädoyers an der Reihe. Staatsanwältin Melanie Gogolov beantragte für den Mann, der bisher eine weiße Weste hatte, und dem Landkreis längst in Richtung München verlassen hat, eine Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Darüber hinaus meldeten sich als Verteidiger Rechtsanwalt Philip Müller, als Nebenkläger Rechtsanwalt Joachim Feller und als Pflichtverteidiger Rechtsanwalt Moritz Bode zu Wort. Letzterer würdigte, dass der Mann eingesehen habe, was er alles falsch gemacht habe. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass er eine ganze Familie kaputtgemacht habe. Bei diesem Verfahren waren zwei Sachverständige beteiligt. Sie bescheinigten dem Angeklagten die sogenannte „Schuldfähigkeit“.

Mehrere Therapieversuche unternommen

Der 70-Jährige wies bei den Verhandlungen darauf hin, dass er mehrere Therapieversuche unternommen habe. Er räumte unter anderem ein, dass er eine Gruppentherapie unterbrochen habe, weil er diese nicht mit Strafgefangenen absolvieren wollte. Den Vorwurf, dass er pädophil sein soll, ließ er ebenfalls nicht gelten. Bei der Verkündung des Urteils machte der Vorsitzende Richter darauf aufmerksam, dass bei den vom Angeklagten in den Raum gestellten Therapie-Bemühungen kein einziges tragfähiges Konzept dabei gewesen sei.

Lenart Hoesch kam sodann auf die Bestrafung von fünf Jahren zu sprechen. Nach seinen Worten habe die zuletzt erfolgte Verschärfung des Strafrechts mit dieser Zuweisung nichts zu tun. „Denn wir haben schon immer kompetente Strafen verhängt.“ Der Richter erkannte wohlwollend an, dass der Mann tiefe Reue gezeigt und ein Geständnis abgelegt habe. Und er habe noch in der Zeit der Ermittlungen vor einem Jahr 20.000 Euro Täter-Opfer-Ausgleich an das heute 25 Jahre alte Opfer bezahlt. Und eine weitere Zahlung in Höhe von 10.000 Euro werde gemäß der Vereinbarung bald kommen. All diese Gesichtspunkte hätten dazu geführt, dass die Haftstrafe nicht noch höher ausgefallen sei, wie der Vorsitzende bei der Verkündung sagte. Gegen das Urteil kann innerhalb von acht Tagen Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels13.07.2021
LandDeutschland
StadtLandsberg
Alter des Täters70
Verurteilt5 Jahr(e)
BewährungNein
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen<9
Anzahl der Betroffenen1
Art der TatMissbrauch
Anzahl der Taten90
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