Lange Haftstrafen im Kinderschänder-Prozess in Portugal

Im aufsehenerregenden und bisher grössten Kinderschänder-Skandal in Portugal sind sechs der sieben Angeklagten zu Haftstrafen zwischen sechs und 18 Jahren verurteilt worden. Der Umstand, dass Kinder eines staatlichen Heimes von einem Pädophilenring ausgebeutet wurden, hat das Vertrauen vieler Portugiesen in die Institutionen des Landes erschüttert.

(ddp) Die Angeklagten wurden schuldig gesprochen, in den 90er Jahren Minderjährige und Heranwachsende missbraucht, Kinder vergewaltigt und in einem staatlichen Kinderheim in Lissabon einen Pädophilen-Ring betrieben zu haben. Am längsten muss ein Fahrer des Heims ins Gefängnis, der mehr als 600 Straftaten gestanden hatte.

Der 53-Jährige hatte mit seinen Aussagen Mitangeklagte belaste, darunter den Karrierediplomaten und früheren Unesco- Botschafter Jorge Ritter, der sechs Jahre und acht Monate ins Gefängnis muss, und der populäre TV-Moderator Carlos Cruz, der sieben Jahre Haft erhielt. Die einzige Frau auf der Anklagebank wurde zwar auch schuldig gesprochen, wegen einer Gesetzesänderung aber nicht zu einer Haftstrafe verurteilt, erklärte das Gericht ohne weitere Erläuterung. Die Verteidigung behielt sich vor, Berufung einzulegen. Staatsanwalt Miguel Matias sagte, die die nun zwischen 16 und 22 Jahre alten Opfer seien mit dem Urteil zufrieden.

Mit den Finger auf Schuldige gezeigt

Die Opfer hatten detailliert über ihre Peiniger ausgesagt und sie identifiziert, indem sie mit dem Finger auf sie zeigten. Mehr als 800 Zeugen und Experten sagten aus, darunter 32 mutmassliche Opfer. Der Skandal war 2002 durch einen Tipp bekanntgeworden, die lange Aufarbeitung hatte die Öffentlichkeit empört. Die Urteilsbegründung der drei Richter umfasst knapp 2000 Seiten; sie soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Bernardo Teixeira, eines der Opfer, sagte, er fühle sich erleichtert. «Das Gericht hat anerkannt, dass wir die Wahrheit gesagt haben», sagte er. «Es ist ein glückliches Ende für uns. Die Pädophilen gehen ins Gefängnis.»

Die angeklagte ehemalige Leiterin des Kinderheims Casa Pia, Catalina Pestana, sagte, sie werde nicht feiern, dass sie nicht ins Gefängnis muss. «Niemand, der voll bei Sinnen ist, kann nach so einem Fall glücklich sein», sagte sie. «Das sind einige der schrecklichsten Geschichten, die ich in meinem Leben gehört habe.» In den über ganz Lissabon verteilten Casa-Pia-Häusern sind rund 4.500 Minderjährige untergebracht.

Vertrauen in Institutionen erschüttert

Das Kinderhaus Casa Pia trage eine Mitschuld, da es die Verbrechen nicht aufgedeckt habe, erklärte die Vorsitzende Richterin Anna Peres während des Prozesses. Der Umstand, dass Kinder eines staatlichen Heimes über Jahre von einem Pädophilenring ausgebeutet wurden, hat das Vertrauen vieler Portugiesen in die Institutionen des Landes erschüttert. Für einige der Opfer hat der Prozess eine solche Belastung dargestellt, dass sie nach Angaben des leitenden Staatsanwalts versuchten, sich das Leben zu nehmen.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels03-09-2010
LandPortugal
StadtLissabon
Bewährung 
Name des BetroffenenBernardo Teixeira
Geschlecht des Betroffenen 
Anzahl der Betroffenen32
Art der Tat
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)x
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