KINDESMISSBRAUCHKIRCHENMITGLIEDER

Missbrauchsopfer verklagt Kloster

Ein 57-Jähriger kämpft um 200 000 Euro Schadenersatz: Er war als Kind im Kloster Mehrerau zur Schule gegangen und dort über Jahre missbraucht worden.

BREGENZ. Ein heute 75-jähriger Pater verging sich offensichtlich an einer ganzen Reihe von Buben. Er wurde wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Die Narben, die er bei den Opfern hinterlassen hat, währen bis heute. So geriet auch das Leben eines heute 57-jährigen Mannes, der von seinem Biologielehrer und Jugendbetreuer in der Klosterschule Mehrerau bei Bregenz drei Jahre lang missbraucht wurde, grob durcheinander. Insbesondere, als 2010 durch diverse Medienberichte bekannt wurde, dass es in diversen Klöstern und kirchlichen Einrichtungen zu Missbrauch gekommen sei. «Dadurch habe ich erst begriffen, was mit mir passiert ist», sagt der Mann.

«Niemand im Saal bezweifelt, dass Ihnen Schreckliches widerfahren ist», räumt die Richterin ein. Das Gericht muss nun prüfen, ob es rechtlich möglich ist, dem Missbrauchsopfer finanziellen Schadenersatz zuzusprechen. 200 000 Euro hält der Mann für angemessen. Zunächst wird vor Gericht das Thema Verjährung erörtert. Entscheidend ist, wann dem Opfer bewusst wurde, welche negativen Folgen der Missbrauch auf sein Leben hatte. Dafür soll unter Umständen ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden. Während das Kloster Mehrerau die Meinung vertritt, es hafte nicht, versucht der Vertreter des Klägers zu begründen, warum eine Haftung besteht. Er geht so weit, dass er von Mitwisserschaft spricht. «Einer der Buben soll sogar einen Analeinriss erlitten haben und in der Mehrerau verarztet worden sein», erzählt er. «Da kann keiner sagen, dass man im Kloster nichts gewusst hat.» Ende April wird der Kläger einvernommen und auch der Abt des Klosters wird aussagen. (ec)

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