Paar steht wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht

Ein Mann soll mehrere junge Mädchen missbraucht haben, seine Partnerin soll ihn dabei gefilmt haben. Das Gericht wirft ihr Beihilfe vor. Seit Dienstag läuft vor dem Landgericht Freiburg die Verhandlung.

Seit Dienstag verhandelt das Landgericht Freiburg den Fall eines 42-jährigen Mannes und seiner 38-jährigen Lebensgefährtin. Dem Mann wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Vergewaltigung und die Weitergabe kinderpornographischer Aufnahmen vorgeworfen. Seiner Lebensgefährtin wird Beihilfe zu schwerem sexuellen Missbrauch in Tateinheit mit Vergewaltigung vorgeworfen. Während sich der Mann geständig zeigte, streitet seine Lebensgefährtin alles ab.
Der Angeklagte ist nur schwer zu verstehen. Ein Schlauch führt in seine Nase, der ihn mit Sauerstoff versorgt. In regelmäßigen Abständen gibt die Maschine ein kurzes Zischen von sich. Warum, wird er später sagen. Zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin sitzen die beiden Verteidiger. Sie redet gar nicht.

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer. 2014 soll er seine damals 14-jährige Nichte dazu gezwungen haben, sich entblößt von ihm fotografieren zu lassen, während sie sexuelle Handlungen an sich vornehmen sollte. Zwei Jahre später soll er vor laufender Kamera ein damals ebenfalls 14-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Zu einem weiteren sexuellen Missbrauch soll es 2016 an einem damals 13-jährigen Mädchen gekommen sein. Beiden Angeklagten wird außerdem vorgeworfen, 2016 eine 23-Jährige für mehrere Tage bei sich untergebracht zu haben. Aufgrund einer geistigen Behinderung habe das tatsächliche Alter der Frau jedoch eher dem einer Sechs- bis Neunjährigen entsprochen. Der Angeklagte habe sich als Ermittlungsbeamter von Polizei und Staatsanwaltschaft ausgegeben und die junge Frau über ihre sexuellen Erfahrungen ausgefragt. Bei vermeintlichen Untersuchungen soll es zu einem weiteren sexuellen Missbrauch gekommen sein. Die Polizei hat zudem bei ihren Ermittlungen im Jahr 2018 zehn weitere kinder- und jugendpornographische Filme auf den Festplatten des Angeklagten gefunden.

Angeklagter baute Vertrauen aufDas Vertrauen der Geschädigten hat sich der Angeklagte über eine längere Zeit hinweg aufgebaut. Das wurde bei den Befragungen der vier Zeuginnen deutlich. Die Mutter einer Zeugin, die ebenfalls als Zeugin gehört wurde, berichtete, dass sie über viele Jahre hinweg mit dem Angeklagten befreundet gewesen war. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich den Brief zu Vernehmung bekommen habe“, sagte sie vor Gericht. Eine weitere Geschädigte war Nachbarin des Angeklagten. Auch auf sie habe er öfter aufgepasst, als sie noch jünger war.

Zu den Tatvorwürfen wollte der Angeklagte keine Angaben machen, zeigte sich aber laut einer Erklärung geständnisbereit. Er sei aus einer Vergewaltigung heraus gezeugt worden, sagte er. Mit acht Jahren kam er in ein Kinderheim. Mit 16 Jahren habe er wieder bei seiner Mutter und dem Stiefvater gelebt. Als Kind sei er vom Nachbarn missbraucht worden. Seinen ersten Schlaganfall habe er mit 18 Jahren gehabt, seinen zweiten 2014, der letzte liege erst ein paar Wochen zurück. 2013 hat man COPD bei ihm diagnostiziert, eine Lungenerkrankung, bei der die Lunge nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen kann. Dazu kämen Diabetes und Bluthochdruck. Eine Ausbildung im Kfz-Bereich musste er abbrechen, weil er eine Allergie gegen Öl entwickelt hatte, sagte er.

Stimme als BeweismittelBei der Lebensgefährtin handelt es sich um seine zweite Ehefrau. Sie machte keine Angaben, um ihre Stimme nicht als Beweismittel zur Verfügung zu stellen. Ihr wird vorgeworfen, bei den Taten dabei gewesen zu sein. Auf Videoaufnahmen hört man eine Frauenstimme. Die Vernehmung der Zeuginnen hat dahingehend erstmal noch keine Klarheit gebracht. In den weiteren Verhandlungstagen geht es jetzt darum, ob es sich bei der Stimme um ihre Stimme handelt. Der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin hat ein Stimmengutachten angekündigt. Ein Urteil wird am 17. Juni erwartet.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels09.06.2021
LandDeutschland
StadtFreiburg
Alter des Täters42, 38
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen14, 14, 13
Anzahl der Betroffenen5
Art der TatMissbrauch
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)10
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