KINDESMISSBRAUCHLaufendes Gerichtsverfahren

Prozess vor Landgericht Aurich: 39-Jähriger gesteht Missbrauch an 13-Jähriger

Aurich /Leer Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes wird einem 39-jährigen Leeraner vor dem Landgericht Aurich zur Last gelegt. Zum Prozessauftakt gab der Angeklagte zu, in zehn Fällen sexuellen Kontakt bis hin zum Geschlechtsverkehr mit einer 13-Jährigen gehabt zu haben. Er bestreitet allerdings, über das Alter des Mädchens informiert gewesen zu sein. In einer zweiten Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Hannover wird der Angeklagte zudem des Besitzes von mehr als 250 kinderpornografischen Dateien beschuldigt.

Mädchen über Nichte kennengelernt

Der Angeklagte hatte das Mädchen über seine Nichte kennengelernt. Mit beiden Mädchen spielte im Internet er Computerspiele. Daraus entwickelten sich Chatkontakte mit der 13-Jährigen, die schließlich in persönlichen Treffen mündeten. Ende April 2019 kam es in der Gemeinde Jemgum zum ersten sexuellen Übergriff. Der Angeklagte holte das Mädchen bis Anfang Juni 2019 mehrmals mit seinem Auto ab. Die Taten ereigneten sich dann im Auto oder beim Spazierengehen. Der letzte Übergriff ereignete sich in seiner Wohnung.

Gewalt hatte der geschiedene Leeraner nie angewendet. Die sexuellen Kontakte fanden vielmehr einvernehmlich statt. „Das Mädchen hat es als Liebesbeziehung gesehen. Was haben Sie in den Geschichten gesehen?“, wollte Richter Jan Heinemeier vom Angeklagten wissen. „Ich fühlte mich irgendwie von ihr aufgefangen, weil es mir damals nicht gut ging“, gab der Angeklagte an. Der 39-Jährige hatte seinerzeit wegen der Insolvenz seines Arbeitgebers seine langjährige Arbeitsstelle verloren. Es sei dem Angeklagten doch einfach nur um Sex gegangen, vermutete hingegen der Anwalt des Mädchens.

Der größte Knackpunkt des Verfahrens ist die Frage, ob der Angeklagte wusste, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt war. Er habe geglaubt, das Mädchen sei 16 Jahre alt, behauptete der Angeklagte. Das habe er aus ihrer körperlichen Entwicklung geschlossen. Damit bot er erneut dem Nebenklage-Anwalt Munition. „Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte der Anwalt. Das Mädchen habe eher kindlich gewirkt.

Opfer wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen

Der beisitzende Richter Bastian Witte wies darauf hin, dass auch der Geschlechtsverkehr mit einer Jugendlichen für den Angeklagten strafrechtliche Konsequenzen haben könne. Der Vorsitzende Richter konterte mit dem Hinweis, dass der Mädchen das Geburtsdatum des Angeklagten bei der Polizei nennen konnte. „Das indiziert, dass ja doch mal über Geburtsdaten gesprochen wurde.“ Richter Heinemeier ließ nicht locker: „Wir werden die Mädchen dazu befragen. Wenn dabei etwas anderes rauskommt, bricht es Ihnen das Genick“, so der Vorsitzende. Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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