Sexueller Missbrauch übers Netz: Schwaikheimer verschickt Videos an Kinder

Ein mittlerweile 25-jähriger Schwaikheimer hatte zwei Mädchen, die er persönlich überhaupt nicht kannte, über Social Media pornografische Bilder und Videos von sich selbst geschickt. Dafür musste er sich nun vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Die Anklage lautete „sexueller Missbrauch von Kindern“. Die Mädchen, eines lebt in der Nähe von Regensburg, eines bei Sinsheim, waren damals jünger als 14 Jahre alt und damit juristisch gesehen noch Kinder.

Der Mann lebt, wie man so sagt, „in geordneten Verhältnissen“, hat Mittlere Reife, wurde nach der Ausbildung von seinem Betrieb übernommen, hat also einen Job und er hat eine Partnerin, mit der er zusammenwohnt. Gleich zu Beginn der Verhandlung ließ er durch seinen Verteidiger erklären, er räume die Vorwürfe ein. Nämlich, so die Anklage, dass er in zwei Fällen über Instagram und Facebook einem Mädchen ein Video geschickt hatte, auf dem er masturbierte, dem anderen ein Foto und ein Video mit dem gleichen Inhalt, verbunden mit der Aufforderung an sie, sie solle sich selbst befriedigen. Er habe zu der fraglichen Zeit ein Alkoholproblem gehabt, etwas den Boden unter den Füßen verloren gehabt, so seine „Erklärung“ nun vor Gericht.

Es bleibe trotzdem die Frage nach dem „Warum“, hielt der Richter dem Angeklagten entgegen. Die moderne Technik lasse es ja zu, dass man seine Fantasien auslebe, aber es stelle sich gleichwohl die Frage, warum man sich da nicht mehr Gedanken mache, „ehe man das nutzt“. Die Frage nach dem „Warum“ stelle sich in solchen Fällen ja immer, die Antwort darauf bleibe aber meistens ein Rätsel.

Bei Wohnungsdurchsuchung iPhone mit den Dateien gefunden

Der ermittelnde Kripobeamte aus Waiblingen berichtete als Zeuge, dass man dem Mann nach einer Strafanzeige bei den Kollegen in Regensburg wegen einschlägiger Dateien auf einem Handy auf die Schliche gekommen war. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung in Schwaikheim war ein iPhone sichergestellt worden. Die Polizei wertete Chatverläufe auf diesem aus und fand dabei die entsprechenden Dateien abgespeichert. Da der Mann ein auffälliges Tattoo hat, das auch auf diesen zu sehen war, war es leicht, ihn zu identifizieren. Von hier aus führte die Spur zum zweiten Mädchen. Der Kripobeamte berichtete außerdem, dass der Mann bei der Wohnungsdurchsuchung kooperativ gewesen war, den Polizisten gleich Pin und Passwörter genannt hatte, er die Dateien auch nicht irgendwie „versteckt“, also leicht zugänglich abgespeichert hatte.

Geständnis erspart es den Mädchen, als Zeugen aussagen zu müssen

Somit war der Fall vor Gericht also schnell klar. Der Ankläger hielt denn auch in seinem Plädoyer dem Mann dessen Geständnis und seine offensichtliche Reue zugute. Für ihn sprach auch, dass er bislang keinerlei Vorstrafen hatte, auch keine einschlägigen. Ebenso sprach für ihn, dass er selbst zur Aufklärung des Falls beigetragen hatte. Der Verteidiger betonte zudem, dass das Geständnis es den beiden Mädchen ersparte, vor Gericht als Zeugen auszusagen. Er berichtete, dass der Mann, nachdem alles herausgekommen war, sich von seiner Familie einiges hatte anhören müssen und auch in der Beziehung sei „ziemlich Feuer unterm Dach“ gewesen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Partnerschaft mittlerweile wieder stabil ist, also das Ganze offenbar überstanden hat.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Er muss außerdem 2000 Euro an eine Kinderstiftung zahlen und fünf Beratungsgespräche mit einem Therapeuten führen. Wichtig sei, dass die beiden Mädchen nicht erneut mit der Sache konfrontiert wurden, so der Richter. Aber noch wichtiger sei, dass sich so etwas nicht wiederhole, so seine eindringliche Mahnung direkt an den Angeklagten. Das Ganze sei zwar „nur“ übers Internet geschehen, trotzdem sei es eine „Einwirkung“ auf die beiden Mädchen gewesen und juristisch eben sexueller Missbrauch von Kindern: „So etwas soll kein Kind erleben müssen und deshalb steht auch so etwas unter Strafe“.

Paragraf 176 Strafgesetzbuch

Sexueller Missbrauch von Kindern (§ 176 StGB) ist jede sexuelle Handlung, die an, von oder vor einem Kind vorgenommen wird. Bereits der Versuch eines Sexualkontaktes mit einem Kind ist strafbar. Angebliche Einwilligungen von Kindern, wie sie von Beschuldigten immer wieder vorgebracht werden, sind rechtlich unwirksam.Die Strafandrohung bezieht sich also auch auf sexuelle Handlungen, die keinen unmittelbaren Körper- oder Hautkontakt voraussetzen. So macht sich auch strafbar, wer vor einem Kind an sich selbst oder anderen sexuelle Handlungen vornimmt. Das gilt auch dann, wenn Mädchen oder Jungen solche Sex-Szenen beispielsweise per Videostream verfolgen.Das Recht unterscheidet zwischen sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen, von Kindern, von Jugendlichen. Sexuelle Handlungen an oder mit Kindern unter 14 Jahren sind immer strafbar. Auch Handlungen, die Kinder vornehmen müssen, sind sexueller Missbrauch. Strafbar ist auch Einwirken auf Kinder durch Pornografie.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels06.04.2021
LandDeutschland
StadtSchwaikheim
Alter des Täters25
Verurteilt7 Monat(e)
BewährungJa
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen14
Anzahl der Betroffenen2
Art der TatMissbrauch
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