Sieben Jahre Haft für Mutter wegen Kindesmissbrauchs

Das Landgericht Gera hat am Montag eine Mutter und ihren früheren Freund wegen schweren sexuellen Missbrauchs der Tochter verurteilt. Die Mutter muss sieben Jahre ins Gefängnis, ihr früherer Liebhaber vier Jahre.

Tino Zippel12.09.2011, 21:30

Gera. Sowohl Bianca E. (26) als auch Alexander K. (20) weinten während der Urteilsverkündung. Sie hatten in ihren Schlussworten noch einmal bestritten, das damals sechs-, später siebenjährige Mädchen missbraucht zu haben. „Ich weiß, dass sie es nicht immer gut bei mir hatte. Aber das, was mir hier vorgeworfen wird, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte die Hermsdorferin in Vorahnung dessen, was kommt. 

Während des Prozesses hatte das heute achtjährige Mädchen seine Aussagen wiederholt. Der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt befragte sie im kleinen Kreis. Die Aussage wurde per Video in den Gerichtssaal übertragen, um ein direktes Aufeinandertreffen mit der Mutter zu vermeiden. 

Den Aussagen zufolge musste das Mädchen im Beisein der Mutter den damaligen Liebhaber der Frau per Hand befriedigen und „die Milch schlucken“. Das habe Bianca E. ausdrücklich befohlen. Außerdem sei der Angeklagte in sie eingedrungen, sagte das Kind. Bei jenen Taten war die Mutter nicht in der Wohnung anwesend. 

Das Ganze war ans Licht gekommen, als im Mai 2010 eine Pflegefamilie das Mädchen aufnahm, weil „die Mutter eine Auszeit brauchte“. Der Pflegemutter fiel auf, dass die Grundschülerin auf Bildern auch die Geschlechtsteile malte und fragte daraufhin nach. Im Laufe der Zeit offenbarte sich ihr das Mädchen, so dass sie zum Jugendamt und zur Polizei ging. 

Das Vorgehen kritisierten die Anwälte der Angeklagten, Jan Pinkes und Klaus Bittroff. Sie führten an, dass es durch eine gezielte Befragung zu Suggestion gekommen sein könnte. Für eine derartige Beeinflussung spreche das rechtsmedizinische Gutachten, wonach das Jungfernhäutchens des Mädchens unbeschädigt sei. Ein Gutachter bescheinigte indes die Glaubwürdigkeit des Mädchens. 

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gingen weit auseinander. Die Anwälte forderten Freispruch. Oberstaatsanwalt André Sbick beantragte indes für Bianca E. elf Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in vier Fällen und fünfeinhalb Jahre Jugendstrafe für Alexander K. wegen acht Fällen. Die Strafkammer verurteilte beide, ging aber zu Gunsten der Angeklagten von weniger Fällen aus.

Das Mädchen selbst konnte die Zahl der Übergriffe nicht beziffern. „Sicher steht fest, dass es jeweils mehr als ein Fall war. Deshalb haben wir zwei angenommen“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Frau sei demnach in zwei Fällen schuldig, der frühere Freund in vier Fällen. Da er zum Beginn des Tatzeitraumes nicht volljährig war und auch Entwicklungsverzögerungen aufwies, wendete die Kammer Jugendstrafrecht an. Er kam daher mit vier Jahren Freiheitsstrafe günstiger weg als die Mutter, die sieben Jahre in Haft muss. 

Die leibliche Mutter sei zweifelsohne nicht die Haupttäterin gewesen. Sie habe die Tat aber erst ermöglicht, indem sie „ihr eigenes Kind ihrem Liebhaber zur Verfügung gestellt“ hat, sagte Neidhardt. Das Verhalten sei „einfach widerlich“ gewesen. 

Die Bedenken der Anwälte an der Aussage des Mädchens wies Neidhardt zurück. „Es gibt keinen Anhaltspunkt für Suggestion seitens der Pflegemutter.“ Die Familie aus dem Saale-Holzland-Kreis wird das Mädchen nun weiter betreuen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels12-09-2011
LandGermany
StadtGera
Name des TätersBianca E
Alter des Täters26,20
Verurteilt7 Jahr(e)
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen6
Anzahl der Betroffenen1
Art der Tat
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