Skandal um Uno-Mission in Kongo-Kinshasa

Sechs marokkanische Soldaten, die in der Uno-Mission in Kongo-Kinshasa (Monuc) Dienst verrichtet hatten, sind wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige verhaftet worden. Sie sollen vor ein marokkanisches Militärgericht gestellt werden. Der bisher bekannt gewordene Skandal stellt nur die Spitze eines Eisbergs dar.

02.03.2005, 13.37 Uhr

Die internen Ermittlungen der Uno wegen sexueller Übergriffe von Blauhelmsoldaten in Kongo-Kinshasa zeigen endlich Folgen. Sechs marokkanische Soldaten, die in der Uno-Mission in Kongo-Kinshasa (Monuc) Dienst verrichtet hatten, sind in Marokko verhaftet worden. Sie sollen wegen sexuellen Missbrauchs kongolesischer Kinder vor ein Militärgericht gestellt werden. Marokko reagiert damit auf einen Bericht des internen Untersuchungsorgans der Uno, laut dem Friedenssoldaten der Monuc aus insgesamt drei Staaten sexuelle Übergriffe auf Minderjährige begangen haben. Ausserdem wurden der marokkanische Truppenkommandant und dessen Stellvertreter in Kongo-Kinshasa ihrer Funktionen enthoben.

Von Misserfolg zu Misserfolg

Marokko ist das erste Land, das im Zusammenhang mit den gegen die Monuc gerichteten Vorwürfen Soldaten aus den eigenen Reihen gerichtlich belangen will. Ein Franzose, der als ziviler Angestellter für die Monuc gearbeitet hat, muss sich vor einem Pariser Gericht wegen Vergewaltigung verantworten. Die Monuc hat das Vorgehen Marokkos und der französischen Justiz ausdrücklich begrüsst. Ein Sprecher äusserte die Hoffnung, dass auch andere Staaten dem marokkanischen Vorbild folgen würden. Die Uno kann ihre Friedenssoldaten gerichtlich nicht belangen. Dies obliegt ausschliesslich den Staaten, die für Uno- Operationen Truppen zur Verfügung stellen. Von den fast 14 000 Uniformierten der Monuc stellt das marokkanische Kontingent etwas mehr als 800 Mann. Nach der Friedensmission in Liberia ist die Monuc der grösste militärische Einsatz der Uno. Sie verschlingt pro Jahr mehr als 740 Millionen Dollar, das entspricht etwa 13 Prozent des kongolesischen Bruttoinlandprodukts.

Doch trotz diesen eindrücklichen Zahlen schreitet die Monuc von Misserfolg zu Misserfolg. In Bunia im Nordosten Kongos mussten uruguayische Blauhelme vor zwei Jahren zeitweise durch französische Truppen abgelöst werden, weil sie sich als nicht willens erwiesen hatten, dem Massenmord kongolesischer Milizen ein Ende zu bereiten. Auch in Bukavu im Osten Kongos sahen Monuc-Soldaten tatenlos zu, als Rebellen im letzten Sommer Zivilisten terrorisierten. Dabei sieht das Mandat der Monuc ausdrücklich den Schutz der Zivilbevölkerung vor. Auch die Reaktion auf die sexuellen Übergriffe ist kein Ruhmesblatt für die Uno. Laut der britischen Tageszeitung «The Independent» war der Verdacht auf sexuelle Übergriffe innerhalb der Monuc spätestens im August 2003 erstmals geäussert worden. Aber erst im Sommer letzten Jahres wurde eine elfköpfige Untersuchungskommission nach Kongo-Kinshasa geschickt. Sie brauchte vier Monate, um sich ein Bild von den Vorgängen in Bunia zu machen. In dieser Zeit wurden 20 einigermassen gut dokumentierte Fälle vorgelegt, bei denen es um Übergriffe auf Minderjährige ging. Die betroffenen Mädchen waren zum Teil erst 13 oder 14 Jahre alt. Uno-Soldaten hatten ihnen laut dem Untersuchungsbericht ein paar Dollar oder etwas zu essen gegeben – im Austausch gegen Sex.

Schärfere Einsatzregeln

Die bisherigen Einsatzregeln der Monuc untersagten den Blauhelmen Sex mit unter 18-Jährigen. Ausserdem war es verboten, die Dienste von Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Inzwischen hat die Uno den Monuc-Soldaten jedoch jeglichen Sex mit Einheimischen untersagt. Sie erliess auch eine Ausgangssperre für die Blauhelme. Uno-Generalsekretär Annan fordert darüber hinaus zusätzliche 100 Militärpolizisten, die der Monuc bei der Disziplinierung ihrer Soldaten helfen sollen. Dabei ist der vom Office of Internal Oversight Services aufgedeckte Skandal nur die Spitze des Eisbergs. Die Untersuchungskommission hat sich bisher nämlich nur mit den Vorgängen in Bunia beschäftigt, obwohl schwere Vorwürfe gegen Uno-Soldaten auch in anderen Gebieten von Kongos wildem Osten erhoben wurden. Im Verdacht stehen nicht nur Soldaten aus Marokko, sondern auch solche aus Pakistan, Nepal, Tunesien und Südafrika. Insgesamt stellen 47 Staaten der Monuc Militärpersonal zur Verfügung, darunter auch die Schweiz. Das grösste Kontingent stammt aus Uruguay. Die Behörden in Montevideo stellen aber in Abrede, dass uruguayische Soldaten an sexuellen Übergriffen beteiligt gewesen seien. Dagegen hatte man früher in einer uruguayischen Truppenunterkunft Gegenstände, darunter ein Abendmahlskelch, gefunden, die aus eine Kirche in Bunia gestohlen worden waren.

Share with:


Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn

ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels02-03-2005
LandKongo
StadtKinshasa
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen13
Anzahl der Betroffenen>1
Art der Tat
VerknüpfungClick here to view detail " target="_blank">Link