Totschlagsprozess Hüde: Angeklagter missbraucht Kind und quält Tiere

Espelkamp/Stemwede/Hüde. Eine „antisoziale Persönlichkeitsstörung mit narzisstischer Komponente“ hat ein psychiatrischer Sachverständiger im Landgericht Verden bei dem 39 Jahre alten Angeklagten diagnostiziert, der am 23. November 2020 in Hüde seine 33 Jahre alte Ehefrau erschlagen haben soll. Grundlage dieser Einschätzung ist das Vorstrafenregister. Es umfasst 14 Eintragungen, darunter schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes, Tierquälerei und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat.

Mit dem Sachverständigen zu sprechen, hatte der Angeklagte abgelehnt. Das Gutachten stützt sich auf die Hauptverhandlung und die Akteninhalte. Der Bundeszentralregisterauszug habe ihn „sehr erstaunt“, sagte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Nicht wegen der Anzahl der Delikte, sondern wegen deren Art. „Es findet sich alles“, so der Mediziner.

Einer Katze und einem Papagei die Kehle durchgeschnitten

Erstmalig straffällig geworden sei der gebürtige Thedinghauser (Kreis Verden) im Alter von 15 Jahren mit Diebstählen. 2004 ist er wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Waffengesetz verurteilt worden. Gemeinsam mit einem anderen Mann habe der Angeklagte eine Katze und einen Papagei gequält. Diese hätten sie jeweils in eine Box gesetzt, um zu sehen, was sie machen, wenn man auf sie schießt, so der Sachverständige. Dafür sei ein Luftgewehr genutzt worden. Am Ende sei den Tieren die Kehle durchgeschnitten worden. Geahndet wurde dies mit 55 Tagessätzen.

2005 folgte die Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen. Der Sachverständige meinte, dass es sich dabei um die siebenjährige Stieftochter aus erster Ehe gehandelt habe. Laut dem damals erstellten Gutachten ist der Angeklagte aber nicht pädophil. Der Sachverständige sieht die Tat mehr als Ausdruck von „Ich nehme mir, was ich will“.

Besondere Erwähnung fand auch eine Verurteilung wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. Am Morgen des 20. Juli 2015 war ein Anruf bei der Von-Sanden-Oberschule in Lemförde eingegangen: „Bei euch findet gleich ein Amoklauf statt.“

Mit angedrohtem Amoklauf Großeinsatz ausgelöst

Was folgte, war ein Großeinsatz der Rettungskräfte. In einem DRK-Rettungswagen saß der Angeklagte. Er war an dem Tag als Ehrenamtlicher im Rahmen einer Vorführung bei der Realschule in Diepholz im Einsatz und hatte von dort den Drohanruf getätigt. Laut dem Sachverständigen ging es ihm darum „Spaß zu haben und mit Blaulicht zu fahren“. Verhängt wurde eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Die Richterin glaubte, dass der Angeklagte diese Strafe als eine „ernste Warnung“ verstehen werde.

Der Mediziner bescheinigte dem 39-jährigen Angeklagten unter anderem einen „Mangel an Empathie“ und ein „psychopathisches Syndrom“. Im aktuellen Fall zeige sich ein „kontrollierendes Verhalten gegenüber der später getöteten Ehefrau“ und eine „unterdurchschnittliche Verantwortungsübernahme für seine Kinder“. Sollte sich die Tat so ereignet haben, wie es dem Angeklagten vorgeworfen wird, dann ist er nach Einschätzung des Sachverständigen voll schuldfähig und es war keine Tat im Affekt.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels26.06.2021
LandDeutschland
StadtEspelkamp
Alter des Täters29
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen7
Anzahl der Betroffenen1
Art der TatMissbrauch
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