Vater soll Tochter (7) sexuell missbraucht haben – Kind erleidet schlimme Qualen

Eltern aus dem Landkreis Coburg sind vor dem Landgericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt. Wurde der Vater von Pädophilen zu etwas gedrängt?

Ein Vater soll seine sieben Jahre alte Tochter sexuell missbraucht haben. Die Mutter soll es gewusst, aber nichts unternommen haben. Beide stehen seit Montag vor dem Landgericht Coburg.

Als der 48-jährige Angeklagte vor dem Landgericht erscheint, trägt er einen schwarzen, dicken Pullover, die Kapuze dabei tief ins Gesicht gezogen. Bei nahezu 20 Grad im Schatten kann ihm an diesem Junimorgen aber nicht kalt sein. Wahrscheinlicher ist, dass er sich verbergen will – denn vor dem Landgericht Coburg werden ihm abscheuliche Taten vorgeworfen. Er soll über den Zeitraum von einem Jahr seine sechs, später sieben Jahre alte Tochter zum Teil schwerst sexuell missbraucht haben.

48-Jähriger wegen schwerem sexuellen Missbrauch in Coburg vor Gericht

Und damit nicht genug: Beim Missbrauch seiner Tochter habe er laut Anklageschrift zudem mehrfach Fotos gemacht, um diese später in Chatgruppen für Pädophile zu teilen, oder seine Taten in diesen Gruppen sogar live und in voller Länge übertragen.

Neben ihm auf der Anklagebank nimmt seine 34-jährige Noch-Ehefrau Platz. Sie soll gewusst haben, was ihr Ehemann ihrer Tochter mutmaßlich angetan hat, doch geholfen habe sie ihrem Kind nicht. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist: Beide Eltern werden zu den ihnen vorgeworfenen Taten aussagen – und jeweils neue Anschuldigungen gegen den anderen erheben.

Im Jahr 2019 soll der Angeklagte aus Neustadt bei Coburg laut Anklageschrift das erste Mal seiner Tochter gegenüber übergriffig geworden sein. Seiner Tochter habe er erklärt, das alles sei „ein verbotenes Spiel“ und sie dürfe niemandem davon erzählen. Laut Anklageschrift habe der Vater seine Tochter im elterlichen Schlafzimmer, in der Badewanne und zuletzt auch im Campingurlaub missbraucht. Zunächst habe der Vater in der Anwesenheit seiner Tochter sexuelle Handlungen an sich vorgenommen, später habe er die Sechsjährige zum Mitmachen aufgefordert.

„Verbotenes Spiel“: Er soll sich an seiner 7-jährigen Tochter vergriffen haben

Die Handlungen gipfelten mutmaßlich darin, dass er mit einem Sexspielzeug in den Körper seiner Tochter eindrang. „Weh, weh, das hat wehgetan“, beschreibt die heute Achtjährige diesen Vorfall bei ihrer Vernehmung, heißt es in der Anklageschrift. Sie habe „aber tapfer durchgehalten“, denn sie habe ihrem Vater nicht sagen können, dass sie Schmerzen hatte – sie konnte es schlicht nicht aussprechen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Für sein Mitwirken bei dem „verbotenen Spiel“ habe das Mädchen Belohnungen bekommen, wie zum Beispiel einen Besuch im Kino. Mehrfach soll die Mutter des Mädchens den Vater beim Missbrauch der gemeinsamen Tochter erwischt haben, ohne etwas dagegen zu tun. Einmal, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, habe sie sich nach Aufforderung ihres Mannes zu ihrer Tochter ins Bett gelegt und mitgemacht.

Die beiden Angeklagten äußern sich am erste Verhandlungstag zu Taten, die ihnen durch die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt werden. Die Angaben, die beide Angeklagten machen, scheinen aber so gar nicht zusammenzupassen. Die Mutter gab an, die Ehe mit ihrem Mann sei sexuell offen gewesen – so hätte sie öfter in Anwesenheit ihres Mannes mit fremden Männern geschlafen, manchmal habe ihr Mann beim Liebesspiel auch mitgemacht. Ihr Mann, so die Angeklagte, hätte zudem auch die Freiheit gehabt, mit anderen Frauen zu schlafen. Dazu habe sie ihn „aber fortgeschickt“, denn sie habe das nicht in den eigenen vier Wänden haben wollen.

Schwere Anschuldigungen zwischen Vater und Mutter

Das sei völliger Unsinn, behauptet allerdings der Angeklagte. Zwar habe es des Öfteren Sexabenteuer mit fremden Männern gegeben, doch es sei ihm nicht gestattet gewesen, mit anderen Frauen zu schlafen. Seine Frau habe befürchtet, dass er sich auf Dauer eine andere Partnerin suchen könnte. Deshalb, so der Angeklagte, habe ihm seine Frau angeboten, er solle sich stattdessen seine Tochter „doch mal genauer ansehen“.

Die Angeklagte stritt jedoch ab, dass sie ihrem Mann vorgeschlagen hätte, die Sechsjährige zu missbrauchen. Sie betonte, ihn mehrfach darauf angesprochen zu haben, dass es ihr ganz und gar nicht gefalle, was er da mit der gemeinsamen Tochter mache. „Das hat ihn aber nicht interessiert“, erklärt die Angeklagte.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Jana Huber, warum sie trotzdem bei ihrem Mann geblieben sei, gab die Angeklagte an, Angst gehabt zu haben. Er habe ihr angedroht, dafür zu sorgen, dass sie im Falle einer Trennung nicht das Sorgerecht für die Kinder bekäme. Zudem sei er ihr gegenüber nicht nur einmal gewalttätig geworden. Mehrfach habe er sie bei Streitigkeiten ins Gesicht geschlagen, einmal habe sie sich in einer Rangelei mit ihm den Finger gebrochen.

Wessen Idee war der Missbrauch?

Der Angeklagte wiederum bestreitet das vehement. Seine Frau lüge, um sich selbst zu schützen – schließlich wolle sie vertuschen, dass der Missbrauch ihre Idee gewesen sei.

Den Missbrauch selbst gestand der Angeklagte teilweise. Er gab an, dass er unter einer Angst- und Panikstörung leide. Als seine Medikamente umgestellt wurden, habe er eine gesteigerte Lust empfunden und sich zunächst heimlich beim Anblick seiner Tochter selbst befriedigt. Dann sei er auf der Suche nach Sexualpartnern für seine Frau „versehentlich“ in eine Chatgruppe für Pädophile geraten, aber sofort wieder ausgestiegen.

Daraufhin hätten ihn die Mitglieder dieser Gruppe privat angeschrieben und ihn „regelrecht belagert“. Auf deren Drängen hin sei er einer weiteren Chatgruppe beigetreten. Er sagte auch, er habe vom Missbrauch seiner Tochter keine Fotos oder Videoaufnahmen gemacht – später gab er jedoch an, in diese Chatgruppe „normale Nacktfotos“ seiner Kinder gestellt zu haben. „Die wollten wissen, wie meine Kinder aussehen“, erklärte er. Zu dem Vorwurf seiner Frau, auch die anderen vier gemeinsamen Kinder zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben, wollte sich der Angeklagte nicht äußern.

Die Verhandlung wird in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgeführt. Mit einem Urteil ist am 21. Juli zu rechnen.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels22.06.2021
LandDeutschland
StadtCoburg
Alter des Täters48, 34
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen6-7
Anzahl der Betroffenen1
Art der TatMissbrauch
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)X
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