KINDESMISSBRAUCHLaufendes Ermittlungsverfahren

Verdacht auf sexuellen Missbrauch in Wiesbadener Kita

Eltern erheben schwere Vorwürfe gegen eine Kita in Igstadt. Dort sollen Kinder über Jahre schwer misshandelt worden sein. Auch das Jugendamt ist bereits involviert.

Christina* steht noch immer unter Schock. Gut eine Woche ist es her, dass sie weiß, dass in der Kita ihres Kindes wohl etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Es soll dort, in einer evangelischen Kindertagesstätte, so schildert sie es, in den vergangenen Jahren zu Missbrauch gekommen sein, auch sexueller Natur. Christina spricht von einem Bett in den Büroräumen des Personals und einer „Belohnung“ für die Kinder mit Süßigkeiten, wenn sie nichts verraten würden. Genauer will Christina nicht auf die Zustände eingehen, zu sehr nimmt sie das alles mit.

Dem Wiesbadener Jugendamt sind die Vorwürfe bekannt. Wie Christoph Manjura (SPD), Sozialdezernent der Stadt Wiesbaden erklärt, werden die genaueren Umstände derzeit noch ermittelt. Sowohl darüber, was genau vorgefallen ist als auch über die Zahl der möglicherweise betroffenen Kinder, macht er keine Angaben. Er erklärt, dass man bereits Kontakt zu der Kita aufgenommen habe und über die Vorwürfe gesprochen habe. Derzeit arbeite man an der Durchführung einer Info-Veranstaltung für die Eltern. „Hierfür laufen Vorplanungen“, so Manjura.

Kriminalpolizei ermittelt

Wie Christina erklärt, habe es bereits eine Videokonferenz zwischen den Eltern der Kinder, dem Träger der Kita und dem Jugendamt gegeben. Manjura erklärt jedoch, dass daran keine Mitarbeiter des Amtes für Soziale Arbeit, beziehungsweise des Jugendamtes teilgenommen haben. Mittlerweile ist auch die Polizei eingeschaltet, die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Träger der Kita ist die evangelische Kirche Hessen/Nassau. Wie Andrea Wagenknecht, die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf Anfrage von Merkurist erklärt, habe man Anfang Oktober von den Vorwürfen erfahren. „Das Jugendamt hat uns informiert, dass es Verdachtsmomente gibt“, so Wagenknecht. „Wir sind darüber schockiert und tief betroffen.“ Der Kirche selbst lagen und liegen dafür jedoch keinerlei Anhaltspunkte vor.

Hohe Fluktuation beim Personal

Man wolle aber trotzdem uneingeschränkt mit den Behörden zusammenarbeiten. „Wir tragen alles zur Aufklärung bei, was in unserer Macht steht“, sagt Wagenknecht. „Gleichzeitig haben wir bereits umfassende Unterstützung angeboten.“ Die neuen Verdachtsmomente seien eine „sehr belastende Situation“ für die Mitarbeiter, da es zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf kindeswohlgefährdende Umstände in der Igstadter Kita gegeben habe.

Rätsel wirft auch der Umstand auf, dass es eine hohe Fluktuation beim Personal der Kita gegeben hat. Christina sagt, nahezu das komplette Personal sei „ausgetauscht“ worden. Auch Majnura bestätigt, dass die Fluktuation dort hoch sei. Doch das sei nicht immer so gewesen, sagt Wagenknecht. „Es fiel erst eine zeitliche Verdichtung in diesem Sommer auf“, so die Sprecherin.

Inhaltlich kann und will Wagenknecht nichts zu den Vorwürfen sagen. „Untersuchungen durch das Jugendamt laufen derzeit. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu laufenden Untersuchungen nicht äußern können“, sagt sie. Demnach ist derzeit noch völlig unklar, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht. Auch über den Inhalt der mutmaßlichen Misshandlungen sowie die Anzahl an betroffener Kinder möchte Wagenknecht nicht sprechen. Weiteres müssen die Untersuchungen durch das Jugendamt zeigen. (js) 

*Name von der Redaktion geändert

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