KINDESMISSBRAUCH

Fachstelle war gewarnt Zürcher Kletterleiter hat noch mehr Kinder missbraucht!

Ein Zürcher Kletterleiter, der wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch in U-Haft sitzt, hat möglicherweise mehr Minderjährige missbraucht, als bisher bekannt war. Das Unfassbare: Eine Fachstelle war gewarnt.

Der Mann (35) war Anfang 2011 verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt worden. Der Verdacht: sexuelle Handlungen mit Knaben. Damals war von zwei Fällen die Rede.

Nun zeigt sich, dass es jedoch mehr Opfer geben dürfte, wie die Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens heute berichtete. «Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, sich gegenüber vier unter 16-Jährigen strafbar verhalten zu haben – das heisst sexuelle Handlungen begangen zu haben», sagte der Zürcher Staatsanwalt Pascal Gossner in der Sendung.

Die Fälle stammten aus den Jahren 2009 und 2010. Die Ermittlungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Ob Anklage erhoben wird, ist noch offen.

Kritik an Fachstelle Mira

In die Kritik gerät die Fachstelle Mira, die Vereine in Bezug auf sexuelle Ausbeutung berät. Adrian Fill vom Kletterzentrum in Greifensee ZH sagte, er habe Mira bereits im Herbst 2008 um Hilfe gebeten, nachdem er von Verdachtsfällen erfahren hatte. Er habe jedoch kaum Unterstützung bekommen, zudem seien weder weitere Stellen noch die Behörden eingeschaltet worden. Der Opferschutz habe bei Mira nur eine untergeordnete Rolle.

Auch eine Sektion des Schweizer Alpen-Clubs SAC hat die private Fachstelle schon früher über verdächtiges Verhalten des Mannes informiert. Die stellvertretende Geschäftsleiterin von Mira Zürich, Christiane Weinand, räumte gegenüber «Schweiz aktuell» ein, von den Anschuldigungen gewusst zu haben. Mira sei jedoch keine Opferhilfestelle und reiche keine Strafanzeigen ein.

Aus Fehlern könne man aber lernen, sagte Weinand – im Rückblick hätte Mira möglicherweise gegen den Willen von Opfern und deren Familien Strafanzeige machen sollen. (SDA/kra)

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