Zwölfjähriger Gesteht Kindesmissbrauch

Kamp-Lintfort

Ein Zwölfjähriger hat gestanden, auf einem Spielplatz in Kamp-Lintfort zwei kleinere Jungen sexuell missbraucht zu haben. Der Tatverdächtige erschien am Mittwochabend mit seiner Mutter auf der Polizeiwache und räumte ein, einen fünf, einen neun und einen zehn Jahre alten Jungen unter einem Vorwand in ein nahe gelegenes Toilettenhäuschen gelockt und dort sexuelle Handlungen an den beiden Jüngeren vorgenommen zu haben. Der Zehnjährige konnte zuvor flüchten.
573 Fälle sexuellen Missbrauchs, bei denen die Tatverdächtigen zwischen sechs und 13 Jahre alt waren, wurden in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr bei der Polizei angezeigt. Viele Beratungsstellen, die sowohl die Opfer als auch die Täter solcher Übergriffe betreuen, berichten, dass die Zahl der Fälle steigt. Zudem würden die Übergriffe gravierender, sagt Ursula Enders, Sozialpädagogin und Traumatherapeutin bei der Kölner Beratungsstelle „Zartbitter“: „Die Kinder werden sehr stark von pornografischen Darstellungen beeinflusst, die sie vor allem im Internet sehen“, erklärt die Therapeutin.

Der Grund dafür, dass sich Kinder werden sehr stark von pornografischen Darstellungen beeinflusst, die sie vor allem im Internet sehen“, erklärt die Therapeutin.

Der Grund dafür, dass sich Kinder an anderen Minderjährigen vergehen, liegt häufig in ihrem sozialen Umfeld: „Viele Täter haben zum Beispiel Bindungsbrüche erfahren, wurden Zeugen oder Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt beziehungsweise Mobbing“, sagt Ursula Enders. Meist seien es Jungen, die versuchen, diese Erfahrungen durch sexuelle Übergriffe auf andere Kinder zu kompensieren. Bei den Opfern liege der Anteil der Jungen bei 50 Prozent.

Ein Bewusstsein dafür, dass sie mit ihren Handlungen Unrecht tun, entwickeln die meisten Täter erst im Alter von etwa zwölf Jahren – zwei Jahre, bevor sie strafmündig werden. An diesem Unrechtsbewusstsein setzen auch die Mitarbeiter in Beratungsstellen und Therapeuten an: Während der Behandlungen, ambulant oder stationär, setzen sich die Jugendlichen intensiv damit auseinander, dass das, was sie getan haben, falsch ist. „Rund 80 Prozent unserer Patienten haben gute Aussichten, danach nicht rückfällig zu werden“, meint Ursula Enders, in deren Einrichtung jedes Jahr rund 200 Fälle betreut werden. „Ohne Therapie dagegen besteht ein großes Risiko, dass sie sich auch als Erwachsene an Kindern vergehen werden.“
Wichtig für Eltern und Erzieher sei es, erkennen zu können, wann Doktorspiele umschlagen in Gewalt, sagt Ursula Enders. Wenn Kinder wiederholt auffallen, rät die Therapeutin, sollten Eltern eine Beratungsstelle aufsuchen.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels05-08-2011
LandGermany
StadtKamp-Lintfort
Alter des Täters12
Bewährung 
Geschlecht des Betroffenen 
Altes des Betroffenen5,9,10
Anzahl der Betroffenen2
Art der Tat
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