KINDESMISSBRAUCHLaufendes GerichtsverfahrenVERHAFTETE TÄTER

21-Jähriger soll kleine Mädchen missbraucht haben

Wenn Kinder zum Opfer sexuellen Missbrauchs werden, stammen die Täter oft aus dem direkten Umfeld. So könnte es auch im Falle dreier Mädchen aus Hövelhof sein: Vor der Jugendkammer des Landgerichts Paderborn muss sich seit Donnerstag ein 21-Jähriger für zum Teil schwere Übergriffe verantworten – er ist Onkel des einen und Nachbar der beiden anderen Kinder.

Die Taten sollen sich in einem Mehrparteienhaus in Hövelhof abgespielt haben. Die Opfer: ein achtjähriges Mädchen, das dort regelmäßig seine Großmutter besuchte, und zwei Geschwister (jetzt zehn und zwölf), die mit ihrer Familie im selben Haus wohnen. Der mutmaßliche Täter: ein 21 Jahre alter Mann, der dort bei seiner Mutter lebt und der Onkel der Achtjährigen ist, und der gelegentlich auf die Nachbarskinder aufpasste. Er soll sich an den drei Mädchen in vielfältiger Weise vergangen haben, glaubt die Staatsanwaltschaft – bis hin zum schwersten sexuellen Missbrauch der Kinder, 41 Mal insgesamt. In der Anklage heißt es, der 21-Jährige habe ab Mitte 2017 bis zu seiner Festnahme im August 2020 seine Nichte in 30 Fällen missbraucht, wobei sich die Intensität der Taten gesteigert haben soll – vom Anfassen im Intimbereich oberhalb der Unterwäsche bis hin zur Vergewaltigung. Die beiden Nachbarsmädchen soll der Angeklagte im etwa gleichen Zeitraum in zwölf Fällen im Intimbereich intensivst angefasst haben – und mehr noch.

Der 21-Jährige nutzte die Chance, gleich zu Beginn des Prozesses vor der großen Jugendkammer reinen Tisch zu machen, wohl nur bedingt. Vorsitzender Richterin Nicole Klein wies ihn darauf hin, dass die Mädchen als Zeuginnen vernommen werden müssten, wenn er schweige – er äußerte sich zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit, dennoch könnte es sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt zumindest die Video-Aufzeichnungen der polizeilichen Vernehmung der Kinder als Beweismaterial gesichtet werden müssen.

Die Mutter der Achtjährigen berichtete im Zeugenstand, wie die über Jahre andauernden Übergriffe durch einen Zufall ans Licht gekommen waren. Ihre Tochter habe mit einer Freundin bei einem Wochenendausflug im gleichen Zimmer übernachtet – „und die Kinder haben sich wohl selbst erkundet“, sagte die 27-Jährige. Ihre Tochter habe auf Nachfrage, woher sie das habe, geantwortet: von ihrem Onkel. Wie die Mutter weiter berichtete, hatte sie sofort ein klärendes Gespräch mit ihrem Bruder eingefordert, und der 21-Jährige habe nach anfänglichem Leugnen eingeräumt, dass er seine kleine Nichte regelmäßig angefasst habe, „seit sie vier ist.“ Um den Rest kümmerte sich die Polizei, die im Zuge der Ermittlungen dem Hinweis nachging, dass der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzende 21-Jährige früher auch die beiden Nachbartöchter missbraucht haben könnte. Deren Mutter fiel aus allen Wolken, als sie ihre Töchter zu einer Aussage zur Polizei bringen sollte. Wie aus den Aussagen klar wurde, hatte der Angeklagte seiner Schwester gegenüber geschildert, dass er „das mit den beiden anderen Mädchen auch so macht“ und daran nichts schlimm sei.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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