60-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch an zwei Enkelkindern

Einem umfassenden Geständnis verdankt es ein 60-Jähriger, dass die Freiheitsstrafe für den Missbrauch zweier Enkeltöchter auf Bewährung ausgesetzt wird. Polizei konfiszierte Kinderpornographie.

Öffentlich mag der 60-Jährige aus dem Kreis Emmendingen vor einem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts in Freiburg am Donnerstag nicht gestehen, dass er zwei seiner jungen Enkelinnen sexuell missbraucht hat. Sein Verteidiger beantragt deshalb für die Dauer der Vernehmung seines Mandanten den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Dann legt der 60-Jährige ein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage ab. Mit der Folge, dass am Ende eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen des sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen und des Besitzes von kinder- und jugendpornographischer Schriften für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird.

Enkelinnen sprachen untereinander von dem MissbrauchHeute sind die beiden Enkelinnen des Angeklagten von zwei seiner Töchter zehn und elf Jahre alt. Als der Angeklagte jede von ihnen ein Mal sexuell missbrauchte, waren sie jeweils rund fünf Jahre jünger. Damals hatten sich die Mädchen gegenseitig erzählt, was der Opa mit ihnen gemacht hatte. Dass er sie im Intimbereich berührt hatte. Beiden Mädchen war das unangenehm. Und es war ihnen unangenehm darüber mit ihren Eltern zu sprechen. Doch sie wollten nicht, dass der Opa so etwas mit ihnen noch einmal macht.

Einschulung bringt die Taten ans TageslichtAls ein Mädchen 2015 eingeschult werden sollte, widersprach es unerwartet dem Plan der Eltern, den Großvater dazu einzuladen. Die Mutter fragte nach und so kam das Geschehene zur Sprache. Aus war es mit dem guten Verhältnis zum Großvater. Der Vater eines Mädchens stellte seinen Schwiegervater umgehend zur Rede. Dabei ging es so laut zu, dass Nachbarn Ohrenzeugen wurden. Sie hörten, dass der Großvater zugab, mit seinen Enkelinnen Fehler gemacht zu haben. Eine Art lautes Geständnis vom offenen Fenster hinaus auf den Gehweg.

Polizei stellte gelöschte Dateien mit Kinder- und Jugendpornographie wieder herDie Polizei durchsuchte die Wohnung des schon von langer Zeit von seiner Frau geschiedenen Mannes. Sie fanden einen Rechner, eine externe Festplatte, ein Handy. Spezialisten entdeckten zahlreiche Dateien mit kinder- und jugendpornographischen Bild- und Videodateien. Die meisten davon waren gelöscht worden, alle stammten jedoch aus dem allgemein zugänglichen Internet und nicht aus dem Darknet, in dem sich insbesondere illegale Angebote von Kriminellen befinden.

Die Mädchen scheinen die sexuellen Attacke ihres Großvaters einigermaßen überwunden zu haben. Doch der Richter erinnerte daran, dass die Folgen eines solchen Missbrauchs, der ja immer auch ein massiver Vertrauensbruch sei, oft erst Jahre später auftreten. Eines der Mädchen, so seine Mutter als Zeugin, habe jüngst eine Angststörung entwickelt und sei deshalb in psychologischer Behandlung.

Alle vier Kinder des Angeklagten haben nach dem Bekanntwerden seiner Taten jeden Kontakt mit ihm abgebrochen. Die Mütter der beiden Kinder sagten vor Gericht aus, obwohl sie als direkte Verwandte darüber belehrt worden waren, dass sie keinerlei Aussage hätten machen müssen. Eine erinnerte sich, dass ihre Tochter damals nicht gerne zum Großvater gegangen sei. Sie sei darauf jedoch nicht so richtig eingegangen, habe geantwortet, dass es doch der Opa sei.

Therapie ist eine zentrale BewährungsauflageDa der Angeklagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, mussten laut Gesetz auch die Plädoyers nichtöffentlich gehalten werden. Dafür waren Urteilsverkündung und Urteilsbegründung wieder öffentlich. Dem Angeklagten wurde vom Gericht ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Darüber hinaus muss er bis zum 1. April 2021 Kontakt zur Forensischen Ambulanz Baden aufnehmen und bezüglich seiner pädophilen Neigungen eine mindestens sechs Monate dauernde ambulante Therapie beginnen und durchhalten. Sollte er die Therapie abbrechen, so warnte ihn der Vorsitzende Richter, werde dies zum Widerruf der Bewährung führen.

Darüber hinaus darf der Verurteilte zu keinem seiner Enkelkinder Kontakt aufnehmen. Das gilt insbesondere für die beiden von ihm missbrauchten Mädchen. Angesichts der äußerst klammen finanziellen Verhältnisse des 60-Jährigen hat das Gericht von der Anordnung eines Schmerzensgeldes für die Mädchen abgesehen: „Ein Betrag von 250 Euro für jede von ihnen würde sicherlich als Hohn empfunden.“ Der Rechner, die externe Festplatte und das Handy sind vom Gericht als Tatmittel ersatzlos eingezogen worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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ZUSAMMENFASSUNG

Datum des Artikels28.03.2021
LandDeutschland
StadtEmmendingen
Alter des Täters60
Verurteilt1 Jahr(e) 10 Monat(e)
BewährungJa
Geschlecht des Betroffenenweiblich
Altes des Betroffenen<5
Anzahl der Betroffenen2
Art der TatMissbrauch
Anzahl der Taten2
Anzahl der kinderpornografischen Dateien (Bilder/Videos)X
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