KINDESMISSBRAUCHVERHAFTETE TÄTERWIEDERHOLUNGSTÄTER

Versteckspiel im Schlafzimmer

Ein 68jähriger Schweizer steht vor dem Bezirksgericht Münchwilen. Ihm werden sexuelle Handlungen mit einem kleinen Mädchen vorgeworfen.

07.10.2016, 02.40 Uhr

«Kinder sind Geschöpfe Gottes», sagte der Angeklagte gestern vor dem Bezirksgericht Münchwilen. Ganz sicher habe er deshalb sein Nachbarsmädchen nicht missbraucht.

Die Staatsanwaltschaft sieht das ganz anders. Sie wirft dem heute 68jährigen Schweizer vor, sich im Sommer 2014 an der damals sechseinhalbjährigen Tochter seiner Nachbarn vergangen zu haben. «Sexuelle Handlungen mit einem Kind, Freiheitsberaubung, Pornographie und Tätlichkeiten», lautet die Anklage, 30 Monate Gefängnis, davon zwölf unbedingt, der Strafantrag.

Manipulativ und ausbeuterisch sei der Angeklagte vorgegangen, führte die Staatsanwältin aus, als er damals das kleine Mädchen in seine Wohnung in Rickenbach gerufen habe. Gemäss Anklageschrift zeigte der Mann auf seinem Computer einen Pornofilm und begann, das kleine Kind zu betatschen. Erst durch dessen Kleider im Intimbereich, am Hintern und an der Brust. Als sie sich weigerte, sich auszuziehen, zog er ihr die Hose runter und drang mit dem Finger in sie ein. Just in diesem Moment hörte er die Eltern des Mädchens im Treppenhaus und liess von seinem Opfer ab.

Weiter habe er damals im selben Zeitraum das Mädchen beim vermeintlichen Versteckspiel während einer halben Stunde in sein Schlafzimmer eingesperrt sowie bei anderer Gelegenheit dem Mädchen und dessen zwei Jahre älteren Schwester mit seinem Blutzuckermessgerät in die Finger gestochen.

Glaces verteilt und Pommes Frites gemacht

Letzteres ist der einzige Anklagepunkt, den der Beschuldigte gestern eingestand. Er sei schliesslich «der liebe Opa» in der Überbauung gewesen. Viele Eltern hätten tagsüber gearbeitet, folglich seien deren Kinder zu ihm gekommen. Er habe ihnen Glaces geschenkt, Pommes Frites für sie gemacht, mit ihnen gespielt. Dabei hätten sie ihn eben auch aus Neugierde gefragt, was es denn mit dem Blutzuckermessgerät auf sich habe.

Alle anderen Vorwürfe seien indes vom Mädchen erlogen. Er könne sich nicht mal erklären, wie das kinderpornographische Material auf seinen Computer gelangt sein könnte, welches die Polizei anlässlich einer Hausdurchsuchung fand. «Zeigen Sie mir einen Computer, auf dem sich keine Pornos finden», forderte der Angeklagte gar das Gericht auf. «Wir reden hier aber von Kinderpornos», konterte Gerichtspräsident Alex Frei.

Auf den Bildern seien gar keine Kinder zu sehen, führte der Verteidiger in seinem Plädoyer aus. Das Alter der Dargestellten könne nicht genau festgestellt werden. Es seien vielmehr Teenager, wahrscheinlich sogar älter als 16, die Bilder ergo legal. Überhaupt sei sein Mandant vollumfänglich freizusprechen. Die ganze Anklage basiere einzig auf den Aussagen des Mädchens. Und diese habe sich die Staatsanwältin aus verschiedenen Befragungen so zusammengesetzt, dass sie ins Bild passen. Widersprüche sowie weitere Anschuldigungen des Mädchens, die sich als offensichtlich haltlos erwiesen, habe die Anklägerin hingegen unter den Tisch fallen lassen.

Vor allem aber würden seinem Klienten dessen zahlreiche Vermögensdelikte aus der Vergangenheit vorgeworfen, für die er gesamthaft 15 Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Diese Delikte hätten aber inhaltlich rein gar nichts mit den aktuellen Vorwürfen zu tun.

Macht und Manipulation

Die kriminelle Vergangenheit zeige sehr wohl das Persönlichkeitsbild des Angeklagten, entgegnete die Staatsanwältin in ihrem Schlussplädoyer. Als professioneller Betrüger habe er Macht über Menschen gehabt und diese manipulieren können, womit er in der Vergangenheit auch oft genug geprahlt habe. Jetzt, alt und krank, könne er dies nicht mehr, weshalb er nun auf Kinder losgehe. Weiter sei es völlig normal, dass Opfer eines Kindsmissbrauches die Ereignisse nicht chronologisch erzählen. Deshalb würden sie ja auch von Fachleuten befragt. Und deren Befund laute, dass die Aussagen des Mädchens letztlich glaubwürdig seien.

Das Bezirksgericht Münchwilen verhandelte den Fall unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sein Urteil wird es zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich bekanntgeben.

Share with:


Related Articles

Leave a Reply

Back to top button